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Goetheanum
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Das Goetheanum ist ein GebĂ€ude in Dornach (Kanton Solothurn) in der Schweiz, rund zehn Kilometer sĂŒdlich von Basel. Es dient als Sitz und Tagungsort der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der Freien Hochschule fĂŒr Geisteswissenschaft sowie auch als Festspielhaus und Theaterbau. Benannt ist es nach Johann Wolfgang von Goethe. Nachdem in der Silvesternacht 1922/23 das ebenfalls als Goetheanum bezeichnete VorgĂ€ngergebĂ€ude durch Brandstiftung zerstört worden war, entstand an gleicher Stelle in den Jahren 1925 bis 1928 der heute bestehende Bau. Beide EntwĂŒrfe stammen von Rudolf Steiner, dem BegrĂŒnder der Anthroposophie. An dem monumentalen Sichtbetonbau mit weit gespanntem Dach ist der weitgehende Verzicht auf rechte Winkel auffĂ€llig. Das stilistisch oft dem Expressionismus zugerechnete monolithisch-organische Bauwerk wirkt skulptural geformt und sollte nach Steiners Vorstellung «das Wesen organischen Gestaltens» zum Ausdruck bringen.cite-ref-beton-atlas-s-24-1-0[1] Zusammen mit anderen stilistisch Ă€hnlichen Bauten in der nĂ€heren Umgebung bildet das seit 1993cite-ref-2[2] unter Denkmalschutz stehende Goetheanum ein Ensemble, das zu den KulturgĂŒtern von nationaler Bedeutung im Kanton Solothurn zĂ€hlt. Als grundlegendes bauliches Vorbild hat das Goetheanum zudem Impulse fĂŒr die gesamte anthroposophische Architektur gegeben, zu denen beispielsweise die GebĂ€ude vieler Waldorfschulen zĂ€hlen.

Contents

‱ Geschichte
‱ Lage
‱ Nutzung
‱ Rezeption
‱ Literatur
‱ Film
‱ Siehe auch
‱ Weblinks

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Geschichte

Standortsuche eines Gemeinschaftsortes

1902 wurde Rudolf Steiner in Berlin zum GeneralsekretĂ€r der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft gewĂ€hlt, aus der spĂ€ter die anthroposophische Strömung hervorging. Die Föderation EuropĂ€ischer Sektionen der Theosophischen Gesellschaft fĂŒhrte jĂ€hrlich einen internationalen Kongress durch. 1907 gelang es Steiner, diesen internationalen Kongress erstmals auf deutschem Boden zu organisieren. DafĂŒr wurden RĂ€ume benötigt, die sowohl zum Erörtern weltanschaulicher Fragen als auch fĂŒr kĂŒnstlerische Darbietungen geeignet waren.cite-ref-3[3] In dem Jahr begann seine architektonische TĂ€tigkeit, indem er die gemieteten RĂ€ume der Tonhalle in MĂŒnchen fĂŒr diese in die anthroposophische Geschichte als MĂŒnchener Kongresscite-ref-4[4]cite-ref-5[5] eingegangene Veranstaltung temporĂ€r umgestaltete.cite-ref-6[6] Die kĂŒnstlerische Innendekoration des Saals bestand aus sieben hohen Brettern, auf die SĂ€ulen gemalt waren, sowie Tondi, die sich mit den sieben apokalyptischen Siegeln abwechselten. Die plastische Gestaltung der Kapitelle stellte bestimmte planetarische EntwicklungszustĂ€nde der Erde dar, die sich je nach geistiger Wahrnehmung unterscheiden sollten. Bereits die Gestaltung des gemieteten Saals deutete an, dass die kĂŒnstlerische Absicht auf die Verwirklichung eines realen Bauwerks abzielte.cite-ref-7[7]

MĂŒnchen entwickelte sich zum wichtigsten Treffpunkt der Mitglieder der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft. Ihre Veranstaltungen fanden zumeist in gemieteten Theater- und KongressrĂ€umen statt.cite-ref-8[8] Nachdem zunĂ€chst Erfahrungen mit der Einstudierung von Dramen von Édouard SchurĂ© gesammelt wurden, begann Steiner selbst, sich als Autor und Regisseur fĂŒr Sprechtheater zu versuchen. 1910 entstand so Die Pforte der Einweihung, ein Mysteriendrama, das sich stark anlehnte an Goethes MĂ€rchen von der GrĂŒnen Schlange und der schönen Lilie.cite-ref-9[9]cite-ref-10[10] Die Einstudierung erfolgte mit Profi- und Laienschauspielern gemeinsam in einer Art Sommerretreat.cite-ref-11[11] In den Folgejahren bis 1913 wuchs das Projekt aus zu einer Tetralogie mit einer AuffĂŒhrungsdauer von jeweils etwa sieben Stunden. Mit der grösser werdenden Anzahl der Mitglieder kam der Wunsch auf, fĂŒr die geistige Arbeit und das kĂŒnstlerische Schaffen ganzjĂ€hrig eigene RĂ€ume zu haben. Steiner selbst befĂŒrchtete, dass ohne einen dauerhaften Gemeinschaftsort die von ihm geförderte Strömung wieder unterginge, und er betrieb im Jahr 1912 massgeblich die Abspaltung von der theosophischen Gesellschaft. Sein Ziel war eine europĂ€isch-christlich ausgerichtete Strömung, die sich fortan Anthroposophie nannte.

Durch Steiners Ausgestaltung der MĂŒnchner Tonhalle fĂŒhlte sich der AnhĂ€nger Ernst August Karl Stockmeyercite-ref-12[12] inspiriert, sich mit den Kunst- und Architekturideen zu beschĂ€ftigen.cite-ref-13[13] Stockmeyer malte und modellierte in Malsch bei Karlsruhe einen Kuppelraum mit SĂ€ulen, der an der Hauptkuppel nur eine einzige Öffnung aufwies. Die Öffnung war so konzipiert, dass zum FrĂŒhlingsanfang morgens gegen 9 Uhr das Sonnenlicht auf einen bestimmten Punkt im Inneren fallen wĂŒrde. Stockmeyer zeigte Steiner seinen Entwurf im FrĂŒhjahr 1908. An den Planungen fĂŒr das sogenannte Malsche Modell war Steiner grundsĂ€tzlich sehr interessiert. Allerdings erschien ihm ein monumentales Bauwerk ohne geeigneten BĂŒhnen- und Zuschauerraum wenig geeignet. Dazu war der Standort in einem einsamen Waldgebiet, den Stockmeyer dafĂŒr erkoren hatte, verkehrsmĂ€ssig nur schwer zugĂ€nglich.cite-ref-14[14] Das okkulte Bauwerk wurde als begehbares Modell verwirklicht; Steiner kehrte jedoch nach der Grundsteinlegung in der Nacht vom 5. auf den 6. April 1909cite-ref-15[15] nie mehr an den Ort zurĂŒck und das Projekt geriet schnell in Vergessenheit. Dennoch gilt es als Vorbild fĂŒr Steiners Kulisse des «Sonnentempels» in seinen ersten beiden Mysteriendramen. Das lange Jahre dem Verfall preisgegebene Bauwerk wurde 1976 von Baden-WĂŒrttemberg als Kulturdenkmal anerkannt. Ein Verein kĂŒmmert sich seither um den Erhalt und die Pflege des Bauwerks.cite-ref-16[16]

Projekt Johannesbau in MĂŒnchen

Auf Initiative Steiners wurde der Architekt Carl Schmid-Curtius (1884–1931)cite-ref-17[17] beauftragt, EntwĂŒrfe fĂŒr ein GrundstĂŒck in MĂŒnchen-Schwabing anzufertigen. Das Bauprojekt sah einen Doppelkuppelbau vor und erhielt den Namen Johannesbaucite-ref-18[18] nach der Hauptgestalt Johannes Thomasius aus Rudolf Steiners Mysteriendramen. Die Beteiligung Steiners an den PlĂ€nen beschrĂ€nkte sich auf die Gestaltung der BĂŒhne und auf kleinere Detailarbeiten. Der Plan fĂŒr diesen Bau stiess jedoch bei der stĂ€dtischen Behörde, der benachbarten Kirche und bei den Anwohnern auf erheblichen Widerstand, und Verhandlungen zur Realisierung des Bauvorhabens erwiesen sich als langwierig.

1912 traf Steiner im Herbst wĂ€hrend einer Vortragsreihe in Basel auf den Zahnarzt Emil Grosheintz (1867–1946),cite-ref-19[19] ein aktives, wohlhabendes Mitglied, das bereits den MĂŒnchener Kongress besucht hatte. Grosheintz lud Steiner auf seinen Landsitz in Dornach, das Haus Brodbeck, ein. Da Steiner mittlerweile daran zweifelte, fĂŒr das Bauvorhaben in MĂŒnchen eine Einigung zu erzielen, interessierte er sich fĂŒr das benachbarte und kaum bebaute, leicht hĂŒgelige GelĂ€nde im Birstal. Grosheintz bot ihm das GrundstĂŒck an und Steiner besuchte es im MĂ€rz 1913 zusammen mit einem Architekten. Das GelĂ€nde schien aus baulichen und aus formellen GrĂŒnden geeignet – der Kanton Solothurn hatte damals noch gar kein Baugesetzcite-ref-20[20] –, so dass man in dieser Hinsicht nach den MĂŒnchener Erfahrungen nichts riskierte. Das anthroposophische Milieu in der nahen Stadt Basel gefiel Steiner ebenso wie die Landschaftsstimmung in der benachbarten Eremitage Arlesheim, wo sich möglicherweise ein Teil der Odilienlegende abgespielt haben könnte. Dass auf dem HĂŒgel, welcher fĂŒr den Bau des neuen Zentrums und seines Umkreises ausgewĂ€hlt wurde, am 22. Juli 1499 die Schlacht bei Dornach stattfand, bei der sich die Schweiz vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation emanzipierte, wurde nicht als Hindernis gesehen. Aus dem historischen Hintergrund wird der Standort auch manchmal als «BluthĂŒgel» bezeichnet.cite-ref-21[21]

Schmid-Curtius musste die ursprĂŒnglichen PlĂ€ne fĂŒr den Johannesbau in MĂŒnchen immer weiter umarbeiten, um Auflagen zu erfĂŒllen, die aus RĂŒcksicht auf umliegende Bauwerke verlangt wurden. Deswegen hielt Steiner zunehmend einen Bau in Dornach fĂŒr geeigneter, zumal auf dem unbebauten HĂŒgel das vorgesehene GebĂ€ude besser zur Geltung kĂ€me. Der Plan fĂŒr den MĂŒnchener Johannesbau wurde am 12. Januar 1913 vom Staatsminister des Inneren Maximilian von Soden-Fraunhofen in MĂŒnchen schliesslich aufgrund «schönheitlicher Standpunkte» abgelehnt,cite-ref-22[22] wogegen man Einspruch einlegte. Steiner erhielt danach noch die Möglichkeit, in der Nachbarschaft von Stift Neuburg bei Heidelberg Bauland zu erhalten – Alexander von Bernus wollte es ihm schenken – die Planungen und Vorbereitungen zum GrundstĂŒckskauf wurden jedoch schon im Vorfeld auf Dornach ausgerichtet, so dass Steiner das Angebot seines Freundes am 19. September 1913 ablehnte.cite-ref-23[23] Die Entscheidung, in der Schweiz zu bauen, fiel tatsĂ€chlich bereits im Juni 1913, und am 20. September desselben Jahres wurde der Grundstein gelegt.cite-ref-24[24] Wenige Tage nach der Grundsteinlegung, am 6. Oktober 1913, traf die inzwischen fĂŒr die Anthroposophen bedeutungslos gewordene Ablehnung auf ihren Einspruch zur ursprĂŒnglichen Entscheidung des Staatsministeriums ein.

Erstes Goetheanum

Die feierliche Grundsteinlegung am 20. September 1913 (zum Zeremoniell siehe auch hier) löste unter den damals rund 2100 Einwohnern der Gemeinde gleichermassen Neugierde und BefĂŒrchtungen aus. Besonders der katholische Pfarrer Max Kully aus dem benachbarten Arlesheim sah Steiners Lehren als einen «ernsten Irrtum» an und versuchte durch ein Gesuch an die Solothurner Regierung zwei Tage nach der Grundsteinlegung den Bau zu verhindern.cite-ref-25[25] Daraufhin forderte die Regierung die anthroposophische Gesellschaft auf, ihr Einsicht in ihre Lehren zu geben. Als Antwort erhielt sie eine umfangreiche Literatursammlung, die sie der bischöflichen Kanzlei zur Durchsicht weiterleitete. Da diese damit nichts anfangen konnte, blieb der Einspruch von Kully wirkungslos.cite-ref-26[26] Die Anthroposophen versuchten, die aufgeheizte Stimmung durch ErklĂ€rungen in den örtlichen Zeitungen zu beschwichtigen, und gaben an, dass sie als «Bewohner der kleinen Villenkolonie sehr ruhig auf ihrem Besitz leben werden».cite-ref-27[27]

Als Planungsgrundlage fĂŒr das erste Goetheanum wurden die EntwĂŒrfe fĂŒr den Johannesbau in MĂŒnchen verwendet. Bereits in diesem Projekt war die Idee eines Doppelkuppelbaus mit zwei ineinandergreifenden Kuppelsegmenten enthalten:cite-ref-28[28] Zwei ungleich grosse KuppelrĂ€ume, die auf zwei ungleich grossen Rotunden ruhen, durchdringencite-ref-29[29] sich gegenseitig. Die grosse Kuppel ĂŒber dem Zuschauerraum stand 18 Meter ĂŒber der BĂŒhne, die von der kleinen Kuppel ĂŒberdacht war, und der höchste Punkt der Kuppel lag 27,2 Meter ĂŒber dem Boden. Die Kuppeln im Zuschauer- und BĂŒhnenraum wurden von HolzsĂ€ulen mit fĂŒnfeckigem Querschnitt getragen, die aus unterschiedlichen Holzarten bestanden.cite-ref-30[30] Das VerhĂ€ltnis zwischen kleiner und grosser Kuppel war 3:4. Der Radius des kleinen Kreises betrug 12,40 Meter, der des grossen 17 Meter. Der Radius des SĂ€ulenkreises im BĂŒhnenbereich mass 9,40 Meter, im Zuschauerbereich 13 Meter. Beide Kuppeln waren von aussen mit blaugrĂŒnsilbrigem norwegischen Schiefer aus Voss gedeckt.cite-ref-hasler-s-84-31-0[31] Der BĂŒhnenteil im Erdgeschoss war von einem halbrunden Raumteil fĂŒr die Kulisse umgeben sowie von den angrenzenden Garderoben, welche in der Art eines Querschiffs angeordnet waren. Der Sockelbau wurde auf Wunsch Steiners in Beton gegossen, da damit eine besondere Formgestaltung möglich ist und sich der Bau auf diese Weise an die umgebende Gebirgsformation des Juras anpassen könne.cite-ref-32[32] Das Betonuntergeschoss war im Februar 1914 fertiggestellt, so dass mit dem HolzgerĂŒst fĂŒr den Oberbau begonnen werden konnte.

Auch der Oberbau auf einem Betonsockel mit Jugendstilelementen bestand vollstĂ€ndig aus Holz. Das Prinzip der Metamorphose sollte das tragende Element des gesamten Baugedankens darstellen. Die Formen der Kapitelle entwickelten sich fortlaufend aus der jeweils vorhergehenden. Bei den die SĂ€ulen verbindenden Architraven verhielt es sich ebenso. Die Deckenmalerei der beiden Kuppeln wurden durchwegs mit Pflanzenfarben ausgefĂŒhrt. FĂŒr die Motive der Fenster entwickelte Steiner eine besondere Glasschleiftechnik.

Es war beabsichtigt, nicht nur die Form zu beleben, wie sie im Jugendstil zum Ausdruck gebracht wurde, sondern es sollte ein organisch-plastisches Bauen geschaffen werden, das zum formenden Element der Architekturcite-ref-33[33] werden sollte.cite-ref-34[34] Im Zusammenspiel der KĂŒnste (Malerei, Bildhauerei, Architektur) bei der Innenraumgestaltung wurde erstmals ein wichtiges Element des Jugendstils erreicht: «Das integrierte Gesamtkunstwerk: Eine einheitliche Bauidee hatte alle KĂŒnste mit einbezogen.»cite-ref-35[35] Damit wurde ein weiteres Ideal der neueren Kunst realisiert, die Idee der Werkgemeinschaft: FachkrĂ€fte, KĂŒnstler und ungeschulte HilfskrĂ€fte aus 17 LĂ€ndern arbeiteten am Entstehen des gemeinsamen Baus zusammen. Dieses Ideal war so stark unter den Beteiligten, dass sogar wĂ€hrend des Ersten Weltkrieges Angehörige von verfeindeten Nationen miteinander arbeiteten.cite-ref-36[36] Die Bauarbeiten gingen auch wĂ€hrend des Krieges weiter. Mit der Innenausmalung beauftragt war unter anderem der deutsche Orientmaler Hermann Linde, der zu den GrĂŒndern des Johannesbau-Vereins zĂ€hlte.

Steiner betonte, dass dem Standort in Dornach eine besondere Schicksalhaftigkeit anhafte: «Daß der Bau nicht hier [MĂŒnchen] aufgefĂŒhrt wird, ist nicht unsere Schuld, es ist unser Karma. Es ist unser Schicksal, daß er an einem einsam gelegenen Ort aufgefĂŒhrt wird, aber an einem Ort, der doch nach seiner lokalen Lage eine Wichtigkeit hat fĂŒr das geistige Leben der neueren Zeit.»cite-ref-37[37] Seinen AnhĂ€ngern blieb damit nichts anderes ĂŒbrig, als ihm nach Dornach zu folgen, wenn sie dem geistigen Zentrum nahe sein wollten. Daher folgte dem Bau die Ansiedlung vieler Anthroposophen, die sich auf dem Dornacher HĂŒgel WohnhĂ€user errichteten (→ Bauwerke in der Umgebung). Der Zuzug liess die Einwohnerzahl der Gemeinde innerhalb weniger Jahrzehnte auf das Doppelte ansteigen.cite-ref-badische-zeitung-die-weltzentrale-38-0[38] Da er mit dem Aussehen der neu errichteten HĂ€user teilweise nicht einverstanden war, richtete er am 23. Januar 1914 den Appell, sie mögen so gestaltet sein, dass man ihnen anmerke, zum «grossen Ganzen» zu gehören.cite-ref-39[39] Die Entstehung der Siedlung in Dornach reiht sich in die Ende des 19. Jahrhunderts einsetzende Bewegung ein, die eine Menge lebensreformerischer KĂŒnstlerkolonien wie beispielsweise Monte VeritĂ  im Tessin entstehen liess.

Im ersten Quartal 1914 waren bis zu 600 Arbeiter mit den Bauarbeiten an der Baustelle beschĂ€ftigt, und bereits am 1. April desselben Jahres konnte das Richtfest begangen werden. Bis 1917 flossen ĂŒber 3,6 Millionen Franken in den Johannesbau; der Wert der GrundstĂŒcke wurde mit 218'000 Franken beziffert.cite-ref-40[40] Die finanzielle Situation verschlechterte sich allerdings ab Beginn des Ersten Weltkriegs, so dass die Arbeiten dadurch stagnierten.

Erst 1918 setzte sich die Bezeichnung Goetheanum gegenĂŒber Johannesbau durch. Steiner verehrte Johann Wolfgang von Goethe, der neben seiner teilweise auf esoterische Gesichtspunkte vertrauenden Dichtung auch naturwissenschaftliche Arbeiten, darunter seine Farbenlehre, hervorbrachte (→ Goetheanismus). Goethe nutzte seine Metamorphosenlehre und die Entdeckung der «Urpflanze» zur Erforschung der seelischen und geistigen Welten. Steiner fand fĂŒr seine ErkenntnisbemĂŒhungen in Goethes Arbeiten Ausgangspunkte.cite-ref-hasler-s-84-31-1[31] Mit der Umbenennung wollte man Spekulationen ĂŒber die Bedeutung des Namens Johannes und die Assoziation zu Johannes dem TĂ€ufer oder dem Evangelisten Johannes den Boden entziehen.cite-ref-41[41] Dazu kam, dass die Benennung nach einem anerkannten Dichter und Schriftsteller passender erschien, da die Anthroposophen sehr um Anerkennung in der Gesellschaft kĂ€mpften.cite-ref-ohlenschl-ger-s-153-42-0[42] Eröffnet wurde der Bau unter dem Namen Goetheanum schliesslich am 26. September 1920.cite-ref-43[43]

Brand des Goetheanums

In der Nacht auf den 1. Januar 1923 wurde das mit 3'183'000 Schweizer Franken versichertecite-ref-44[44] GebĂ€ude wahrscheinlich durch Brandstiftung vollstĂ€ndig zerstört; ĂŒbrig blieb lediglich der Betonsockel.cite-ref-45[45]

Ermittlungen zufolge muss der Brand als Schwelbrand zwischen den WĂ€nden gelegt worden sein, damit er sich unbemerkt und langsam ausbreiten konnte. Der oder die Brandstifter wurden nie ermittelt.

«Gerade gelegentlich des schrecklichen BrandunglĂŒcks kam es wiederum zutage, welche abenteuerlichen Vorstellungen sich in der Welt knĂŒpfen an alles das, was mit diesem Goetheanum in Dornach gemeint war, und was in ihm getrieben werden sollte. Es wird gesprochen von dem schrecklichsten Aberglauben, der dort verbreitet werden soll.»

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Rudolf Steiner in einem Vortrag in Basel am 9. April 1923

Ein Verdacht richtete sich gegen den Arlesheimer Uhrmacher und Anthroposophen Jakob Ott. Dieser wurde in den Tagen nach dem Brand vermisst. Am 10. Januar wurden auf der BrandstÀtte Knochenreste gefunden, die mit gewisser Wahrscheinlichkeit seiner Person zugeordnet werden.cite-ref-47[47]

Kurt Tucholsky schrieb anlÀsslich eines Vortrags von Steiner in Paris 1924:

«Sein â€čSteinereanumâ€ș in der Schweiz haben sie ihm in Brand gesteckt, eine Tat, die durchaus widerwĂ€rtig ist. Es soll ein edler, kuppelgekrönter Bau gewesen sein, der wirkte wie aus Stein. Er war aber aus Holz und Gips, wie die ganze Lehre.»

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Kurt Tucholsky

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Deutsches Tempo

Die genauen UmstĂ€nde ĂŒber Auslöser und Hergang der Brandkatastrophe sind auch 100 Jahre danach noch ungeklĂ€rt.cite-ref-49[49]

PlĂ€ne fĂŒr den Wiederaufbau

Bereits drei Monate nach dem Brand, im MĂ€rz 1923, publizierte Steiner in der Wochenzeitschrift Das Goetheanum seine PlĂ€ne zum Wiederaufbau. Seine Idee war, nicht nur fĂŒr kĂŒnstlerisches und wissenschaftliches Wirken Raum zu bieten, sondern auch Platz fĂŒr die Verwaltung der Gesellschaft zu schaffen. Der Neubau sollte deutlich grösser werden einschliesslich der Stockwerkshöhe. In einer Rede am 17. Juni desselben Jahres sprach er sich dagegen aus, das Bauwerk wieder in der alten Form aufzubauen. Offen blieb zu diesem Zeitpunkt, wie das Bauvorhaben umgesetzt werden sollte. Zwar stand nach dem Schadensfall die Versicherungssumme zur VerfĂŒgung, es gab jedoch im Kreis der Anthroposophen moralische Bedenken, dieses «fremde Kapital» dafĂŒr zu verwenden.cite-ref-50[50]

Am 31. Dezember 1923, dem Jahrestag der Brandkatastrophe, konkretisierte Steiner seine Bauabsichten. Dabei fĂŒhrte er aus, dass der Neubau weniger rund werden solle, sondern ein «teilweiser Rundbau, teilweiser eckiger Bau» und komplett aus Beton. Das obere Geschoss war fĂŒr den grossen Saal mit BĂŒhnecite-ref-51[51] bestimmt, das mittlere Geschoss fĂŒr wissenschaftliche und kĂŒnstlerische Arbeiten, im Erdgeschoss war Raum fĂŒr die ProbebĂŒhne vorgesehen, an deren Stelle spĂ€ter der sogenannte Grundsteinsaal getreten ist. Steiner veranschlagte zu diesem Zeitpunkt Baukosten in Höhe von 3 bis 3,5 Millionen Franken.cite-ref-52[52] Ihm war damals schon klar, dass er mit seinem Vorhaben bauliches Neuland betreten wĂŒrde. In seinem Silvestervortrag sagte er dazu:cite-ref-53[53]

«Wenn das Goetheanum als Betonbau zustande kommen soll, so muss es aus einem ursprĂŒnglichen Gedanken hervorgehen, und alles, was in Betonbau bis jetzt geleistet worden ist, ist eigentlich keine Grundlage fĂŒr dasjenige, was hier entstehen soll.»

Ende MĂ€rz 1924 fertigte Steiner aus einer rotbraunen Modelliermasse aus England (Harbutt’s Plasticine) ein Modell des Neubaus im Massstab 1:100 an. Das Modell stand auf einem sechs Zentimeter hohen Holzblock, der den Unterbau annĂ€hernd darstellen sollte und etwa der Grundrissform des Doppelkuppelbaus entsprach.cite-ref-54[54] Der genauere Entwurf fĂŒr den Sockelunterbau entstand erst im Herbst 1924. Mit Fertigstellung des Modells begannen mehrere Architekten unter Leitung von Ernst Aisenpreis die PlĂ€ne auszuarbeiten, damit die Bauanfrage an die Regierung des Kantons Solothurn gestellt werden konnte. Die zehn PlĂ€ne und das Gesuch wurden am 20. Mai 1924 eingereicht,cite-ref-55[55] worauf es aus den Reihen des Heimatschutzes beider Basel zu Protesten kam.cite-ref-56[56] Nach PrĂŒfung des Gesuchs erteilte der Regierungsrat am 9. September 1924 die Genehmigung zum Bau, stellte jedoch Auflagen, die noch zu berĂŒcksichtigen waren. Die erste bauliche Bedingung betraf die Feuersicherheit im BĂŒhnenbereich und die Einrichtung einer Löschanlage. Die zweite Auflage erging hinsichtlich der farblichen Gestaltung der Fassade und der DachflĂ€chen: Sie sollten nach den Vorstellungen des Rates dem GelĂ€nde angepasst werden. Dazu Ă€usserte sich der Regierungsrat im Protokoll:cite-ref-57[57]

«[
] Was die Bauformen des Projektes anbetrifft, so muss festgestellt werden, dass dieselben mit den traditionellen Bauformen unseres Landes gar nicht in Vergleich gezogen werden können, weil sich das GebĂ€ude in seinen Ă€usseren Formen keinem Baustil anpasst. Die Frage stellt sich so: Wie wird sich das GebĂ€ude zu den umgebenden Dörfern und der Landschaft stellen? Hierzu bemerken wir, dass infolge der bedeutenden Entfernung von Dornach und Arlesheim der Bau und die schon im Umkreis bestehenden WohnhĂ€user der Anthroposophen, welche in Ă€hnlichem Charakter erstellt sind wie der projektierte Tempel, als isolierte Baugruppe zu betrachten sind. Zahlreiche Baumgruppen schliessen die ganze Siedlung nach Dornach ab. Der Bau kommt in den Details erst in der NĂ€he in Sicht, so dass die GebĂ€udegruppe der umliegenden Ortschaften in heimatschĂŒtzlerischem Sinne nicht beeintrĂ€chtigt wird. Von grösserer Entfernung aus betrachtet, wird sich der Bau nur als Silhouette prĂ€sentieren, und zwar wird sich diese unserer Ansicht nach weniger aufdringlich zur Schau stellen, als dies beim frĂŒheren Kuppelbau der Fall war. Der Bau wird sich umso besser dem GelĂ€nde anpassen, wenn fĂŒr richtige Farbbetonung der DachflĂ€chen (Schieferbelag) und der Fassade gesorgt wird. BodenstĂ€ndig wird der Bau allerdings nie erscheinen und erst die Zukunft wird lehren, ob man sich mit diesen Bauformen abfinden kann.»

Nachdem die von der Behörde verlangten Änderungen eingearbeitet worden waren, reichte man am 11. November 1924 ein zweites Baugesuch ein, das bereits am 1. Dezember durch das Bau-Departement genehmigt wurde. FĂŒr den Fall einer Ablehnung hatte Steiner das GrundstĂŒck eines Schlossgutes in der NĂ€he von Winterthur ins Auge gefasst.cite-ref-58[58] Die ursprĂŒngliche Planung sah vor, den verbliebenen Betonsockel des VorgĂ€ngerbaus in den Neubau zu integrieren. Die Skizzen des ersten Baugesuchs zeigen dementsprechend das Goetheanum noch mit dem alten Sockel. Durch nĂ€here PrĂŒfung der Terrasse wurde jedoch festgestellt, dass die StabilitĂ€t des deutlich grösseren Bauwerks nach dem Brandschaden nicht garantiert werden konnte, so dass man eine neue Sockelkonstruktion erstellen musste.cite-ref-59[59]

Zweites Goetheanum

Anfang 1925 begannen die Abbrucharbeiten des alten Sockelbaus. Neben der Terrasse wurden Teile des Fundaments weggesprengt. Kurze Zeit spĂ€ter, am 30. MĂ€rz 1925, starb Rudolf Steiner im Alter von 64 Jahren; er konnte die Vollendung des zweiten Goetheanums nicht mehr erleben.cite-ref-sprechender-beton-s-64-60-0[60] Zur AusfĂŒhrung der Bauarbeiten errichtete die Anthroposophische Gesellschaft ein eigenes BaubĂŒro, um FachkrĂ€fte, Material und Baumaschinen in Eigenregie bereitzustellen. Damit wich das Vorgehen vom Bau des ersten Goetheanums ab, bei dem sich noch die Basler Baugesellschaft als Unternehmer engagiert hatte, womit sie nicht ganz zufrieden gewesen war.cite-ref-sprechender-beton-s-69-61-0[61] In den Jahren 1925 bis 1928 waren im Schnitt 100 Personen am Bau beteiligt, darunter Zimmerleute, Schreiner, Eisenbieger, Maurer und Zementer, Poliere, Betonierer, Elektriker, Mechaniker und Malerhandwerker.cite-ref-62[62] Dabei erhielt die Gesellschaft viele Briefe, teilweise aus dem Ausland, von Menschen, die am Bau mitwirken wollten; davon waren einige bereits am ersten Bau beteiligt gewesen.cite-ref-sprechender-beton-s-64-60-1[60] Die Bauarbeiten gingen gut voran: Der Sommer 1926 begann mit der Holzverschalung und Stahlbewehrung des Dachstuhls, der zum 29. September dieses Jahres, dem Michaelistag, beim Richtfest begehbar wurde. Als problematisch erwies sich das Sammeln von Spendengeldern. Neben den rund 3,1 Millionen Franken aus der GebĂ€udebrandversicherung waren fĂŒr die Kostendeckung weitere 1,5 Millionen Franken nötig.cite-ref-63[63] Neben Rundschreiben fanden vom 22. Mai bis zum 9. November 1927 fĂŒr die Sammlung der Gelder auch LichtbildvortrĂ€ge in vielen StĂ€dten Europas statt.

Am 29. September 1927 ĂŒberfĂŒhrte man eine Holzstatue in den Ostteil des noch unfertigen Bauwerks. Die Baustelle wurde lokal wie international viel beachtet und von Persönlichkeiten aus Architektur und Politik besichtigt. Neben Imai Kenji, der bereits 1926 den Bau besuchte, sahen sich 1927 Le Corbusier und der damalige Schweizer BundesprĂ€sident Giuseppe Motta die Goetheanums-Baustelle an. Auch die Bevölkerung interessierte sich zunehmend fĂŒr das Bauwerk. Tausende Interessenten stellten Anfragen, ob sie durch den unfertigen Bau gefĂŒhrt werden könnten. Aus diesem Grund fand am 1. Juli 1928 eine FĂŒhrung statt, an der ĂŒber 1000 Personen teilnahmen.cite-ref-64[64] Die offizielle Eröffnung wurde am 29. September 1928 vorgenommen.cite-ref-zander-1945-65-0[65]

Mit seinen gewaltigen Dimensionen steht der Betonbau des zweiten Goetheanums als einzigartiges Beispiel fĂŒr die «organische Architektur». Die plastisch gestalteten AussenwĂ€nde mit ihren doppelt gebogenen FlĂ€chen unterscheiden sich von frĂŒheren Versuchen, die Betonwand frei zu gestalten, etwa wie bei Antoni GaudĂ­. Die Funktion der SĂ€ulen wird nicht nur als eine tragende, aufstrebende gesehen, sondern eine von oben nach unten gehende, die den Bau mit der Erde verbindet.cite-ref-66[66] Die Wahl fiel auf den Baustoff Beton wegen der Feuersicherheit und wohl auch, weil der Wiederaufbau mit diesem Baustoff verhĂ€ltnismĂ€ssig schnell und kostengĂŒnstig möglich war.cite-ref-67[67]

Innenausbau und Sanierung

Bis 1929 verbrauchte der Bau mit einem teilweisen Ausbau im Inneren 4'765'491 Franken, bis Ende 1934 waren es rund 5'188'000 Franken. Weil der Hauptteil der Spendengelder aus Deutschland floss, stockten die Bauarbeiten wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs, und der weitere Innenausbau konnte erst in den 1950er Jahren fortgesetzt werden.cite-ref-68[68] Der Grosse Saal blieb bis 1957 unvollendet und wurde mit seinen vom ersten Goetheanum ĂŒbernommenen Deckenmalereien, der neuen Bestuhlung und den heftig diskutierten SĂ€ulen erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts fertig.cite-ref-69[69] Insgesamt beliefen sich die Baukosten auf sieben Millionen Schweizer Franken, was einem inflationsbereinigten Wert von rund 98 Millionen Franken im Jahr 2005 entsprach.cite-ref-hasler-s-22-70-0[70]

Das Goetheanum wurde noch viele Jahre nach Eröffnung als halbfertiger Rohbau genutzt. Das SĂŒdtreppenhaus wurde 1930 vollendet, der Grundsteinsaal mit bis zu 450 PlĂ€tzen wurde 1952 ausgebaut und 1989 renoviert. Der Name des Saals hĂ€ngt mit dem Standort des ersten Grundsteins zusammen; fĂŒr das zweite Goetheanum wurde kein neuer Grundstein gelegt. Der erste Ausbau des Grossen Saals erfolgte in den Jahren 1956 bis 1957. Erst in den Jahren 1996 bis 1998 erhielt der Hauptsaal seine derzeitige Gestaltung. Westeingang (1962–1964), NordflĂŒgel (1985–1989) und der Englische Saal mit einer KapazitĂ€t fĂŒr 200 Personen (1969–1971) wurden erst Jahrzehnte nach der Eröffnung von 1928 realisiert.cite-ref-71[71]

Zur Bauzeit waren die Langzeiteigenschaften von Beton noch nicht hinlĂ€nglich bekannt. Durch die teilweise sehr dĂŒnnen Betonschichten des tragenden Beton-Fachwerks – stellenweise nur sechs Zentimeter dick – und einen Wasserzementwert von mehr als 0,5cite-ref-72[72], mit der damit einhergehenden hohen PorositĂ€t, gelangt Feuchtigkeit zur Bewehrung und setzt ihr Verrosten in Gang. Der korrodierende Stahl dehnt sich aus und sprengt dabei auch kleine StĂŒcke des Aussenbetons ab, was einen doppelten Schaden zur Folge hat. Erste vergleichsweise kleinflĂ€chige Reparaturarbeiten an der Fassade wurden in den 1970er Jahren unternommen, wozu der ganze Bau eingerĂŒstet werden musste. In den 1980er Jahren folgte die Sanierung der Terrasse.cite-ref-73[73] Bei den Sanierungsarbeiten Anfang der 1990er Jahre musste der Beton stĂŒckweise, rund fĂŒnf Zentimeter tief abgeschlagen werden und mit einem Höchstgeschwindigkeits-Wasserstrahl von 1,5-facher Schallgeschwindigkeit vom Rost befreit werden. Anschliessend konnte eine neue BetonĂŒberdeckung aufgebaut werden. Die Arbeiten am Baudenkmal wurden mit Spendengeldern und ZuschĂŒssen des Kantons Solothurn finanziert.cite-ref-74[74] Die BĂŒhnentechnik wurde 2013–2014 fĂŒr insgesamt 9 Mio. Franken komplett erneuert.cite-ref-75[75]

Beschreibung

Lage

Luftbilder des Goetheanums

Der Dornacher HĂŒgel, auf dem das Goetheanum steht, wird von einer Bergformation gebildet, die geologisch dem Schweizer Jura zugehörig ist. Das westliche Ende – «Felsli» genannt –, auf dem das Goetheanum steht, ist eine hauptsĂ€chlich aus Kalkstein bestehende Felsnase.cite-ref-76[76] FĂŒr die Errichtung und die exakte Ostung des Goetheanums mussten Teile des HĂŒgels umgestaltet werden.

Das GelĂ€nde in Oberdornach ist mit dem öffentlichen Verkehrsnetz von der Goetheanumstrasse aus verbunden. Auch die Spazierwege rund um das Goetheanum stehen der Öffentlichkeit zur VerfĂŒgung. Der RĂŒttiweg, der Albert Steffenweg und der Rudolf-Steinerweg erschliessen das Areal. Die hervorstechende Lage unterstreicht dabei die Grösse und MonumentalitĂ€t des Bauwerks.

Architektur und Bautechnik

Ansichten des Goetheanums

Das Goetheanum mit seinem Sockelunterbau erstreckt sich in Ost-West-Richtung 90,2 Meter, in Nord-SĂŒd-Richtung 85,4 Meter. Der Oberbau selbst misst 72 Meter LĂ€nge, 64 Meter Breite und ragt 37,2 Meter in die Höhe.cite-ref-hasler-s-22-70-1[70] Der umbaute Raum fĂ€llt mit 110'000 Kubikmetern, davon 15'000 Kubikmeter Beton, fast doppelt so gross aus wie bei seinem VorgĂ€ngerbau mit 66'000 Kubikmeter.cite-ref-zander-1945-65-1[65] Die vereinnahmte GrundflĂ€che betrĂ€gt 3'200 Quadratmeter, die OberflĂ€che des Sockels 3'300, die des Hochbaus 5'500 Quadratmeter.cite-ref-sichtbar-geformter-beton-77-0[77] Die konkaven und konvexen Ausformungen des in Sichtbeton errichteten Bauwerks erinnern an einen monumentalen Bunker – wie es der Architekturkritiker Christoph Hackelsbergercite-ref-78[78] sieht – und seine zerklĂŒftete Formgebung entfaltet eine lichtabhĂ€ngige Ästhetik. Die Aussenmasse und der exponierte Standort auf dem 370 m ĂŒ. M. gelegenen HĂŒgel im Tal der Birs machen das Goetheanum weit ĂŒber die Grenzen der Gemeinde sichtbar.

An der reprĂ€sentativen Westfassade befindet sich – eingelassen in der tragenden Sockelkonstruktion – das dreigeteilte Hauptportal. DarĂŒber umrahmt eine ausladende Terrasse das Goetheanum rundum. Über den Sockel erheben sich zwei monumentale GlasflĂ€chen, die untere ist spinnennetzartig profiliert und besitzt eine zweiflĂŒgelige TĂŒr, die den Zugang zur Terrasse vom Inneren ermöglicht. Die Fensterfront darĂŒber ist in rechteckige Segmente unterteilt und an der oberen Kante abgeschrĂ€gt. Die beiden Fensterfronten bilden die Westfassade des risalitartigen, organisch ausgeformten Baukörpers, der das architektonische Hauptkennzeichen des Goetheanums ist. Das mit grauen Schindeln gedeckte Dach wölbt sich Ă€hnlich dem Panzer einer Schildkröte wie schĂŒtzend ĂŒber die gesamte Konstruktion. Beidseitig der Westfassade flankieren zwei SĂ€ulen – sogenannte Luftwurzeln (→ Luftwurzel) – und ragen in den vom Balkon gebildeten Innenhof. Allerdings kommt diesen keine baulich tragende Funktion zu.cite-ref-zander-s-1162-79-0[79] Da die Dachlast von den SaalwĂ€nden getragen wird, sind die Luftwurzeln mit Dehnungsfugen vom Dach getrennt. Charakteristisch fĂŒr das Bauwerk sind abgeschrĂ€gte Ecken und Trapeze, die sich in verschiedenen Varianten an vielen Bauteilen finden lassen, wie beispielsweise an den trapezförmigen Pfeilerköpfen am Nord- und SĂŒdeingang.

Detailstudien

An den LĂ€ngsseiten befinden sich auf Höhe des Konzertsaals schlanke Fenster, im östlich zugewandten Teil dominieren kleine Fenster mit zumeist wechselnden polygonalen Aussenumrissen. Diese Gestaltung setzt sich in der eher schlicht und weniger monumental wirkenden Ostfassade fort. Sie ist streng symmetrisch zur Mittelsenkrechten aufgebaut. An Ost- und Nordseite befinden sich ParkplĂ€tze fĂŒr die Mitarbeiter des Goetheanums.

Aufgrund des plastisch modellierten Äusseren mit seinen vielen gekrĂŒmmten FlĂ€chen und scharfen Graten des Goetheanums war der feinteilige Schalungsaufwand enorm hoch. Die vom Zimmermann Heinrich Liedvogel (1904–1977) ausgefĂŒhrten Arbeiten zeichneten sich dadurch aus, dass dĂŒnne Leisten im nassen Zustand gebogen werden mussten, um sie ĂŒber Spanten zu nageln.cite-ref-beton-atlas-s-24-1-1[1] Damit schuf man die notwendigen Formen, die spĂ€ter mit Beton ausgegossen werden konnten. Die Konzeption des Bauwerks von innen nach aussen ist an den sich irregulĂ€r aus der Wand herausformenden Fenstern ablesbar.cite-ref-80[80] Statik und Berechnung der Betonarbeiten wurden vom Basler IngenieurbĂŒro Leuprecht & Ebbell durchgefĂŒhrt. Insgesamt wurden rund 15'000 Kubikmeter Beton und 990 Tonnen Rundstahl zur Bewehrung verwendet. Aufgrund der Ausmasse und der zum Erbauungszeitpunkt neuen Methode nimmt das Goetheanum eine Pionierrolle in der Geschichte des Betonbaus ein.cite-ref-sichtbar-geformter-beton-77-1[77] Vergleichbare Betonrippenkonstruktionen wurden davor nur bei der Jahrhunderthalle in Breslau (1911–1913) und den Luftschiffhallen von Orly (1922–1924) realisiert.

Ole-Falk Ebbell-Staehelin war als Ingenieur massgeblich am Bau des zweiten Goetheanums beteiligt. Er war bereits fĂŒr die Konstruktion des Betonsockels fĂŒr das erste Goetheanum, das Heizhaus sowie das Haus Duldeck verantwortlich. Seine Arbeiten fĂŒr das zweite Goetheanum zĂ€hlen zu den Pionierleistungen der Ingenieurskunst in den AnfĂ€ngen des Betonbaus – er soll zu Beginn des Bauprojektes sogar an seiner DurchfĂŒhrbarkeit gezweifelt haben.cite-ref-81[81] 1952 war er auch an der Berechnung der StahlbetontrĂ€ger im Zuge der Umbaumassnahmen fĂŒr den Grundsteinsaal beteiligt.cite-ref-82[82]

Innenarchitektur und Ausstattung

Erdgeschoss und WestflĂŒgel

Das Goetheanum ist im Wesentlichen in zwei funktional verschiedene Bereiche getrennt. Der interne Ostteil beherbergt die BĂŒhne und die dazugehörenden RĂ€ume, die West-, Nord- und SĂŒdflĂŒgel sind öffentlich zugĂ€nglich. Im Erdgeschoss sind im SĂŒd- und Westbereich Empfang, Information, TagungsbĂŒro und Cafeteria im Foyer, sowie Garderobe, eine Buchhandlung, Postkartenverkauf und einige BĂŒros untergebracht. Im Erdgeschoss befinden sich auch der Grundstein-, der Terrassensaal sowie der Englische Saal. Die innere Gestaltung der RĂ€ume zitiert teilweise die Ă€usseren Formen, insbesondere die abgeschrĂ€gten Ecken finden sich an TĂŒren, Zargen, Lampenschirmen, Verkleidungen und selbst den grĂŒnen Notleuchten zur Kennzeichnung der NotausgĂ€nge. Bezogen auf die Grösse des Bauwerks befinden sich vergleichsweise wenig Kunstwerke wie Statuen, Plastiken, BĂŒsten oder Bilder in den GĂ€ngen und WĂ€nden des Goetheanums. Grösste Skulptur ist der MenschheitsreprĂ€sentant.

Der ursprĂŒnglich als ProbebĂŒhne ohne ZuschauerrĂ€nge fĂŒr die grosse BĂŒhne konzipierte Grundsteinsaal hat seit 1952 ein Platzangebot fĂŒr 450 Besucher und wird fĂŒr VortrĂ€ge, Feiern sowie Theater- und EurythmieauffĂŒhrungen genutzt. Der vergleichsweise niedrige Raum verfĂŒgt trotzdem ĂŒber sĂ€mtliche technische Einrichtungen, die fĂŒr ein Theater notwendig sind. WĂ€hrend der Renovierung von 1989 bis 1991 wurde der Raum grossflĂ€chig mit Wandmalereien nach Skizzen von Rudolf Steiner gestaltet.

Der vom Architekten Rex Raabcite-ref-83[83] gestaltete Englische Saal wurde in den Jahren 1969 bis 1971 ausgebaut und ebenfalls mit Wandmalereien geschmĂŒckt und dient als Vortrags- und Vorlesungssaal. Die Benennung des Saals erinnert daran, dass im Besonderen Mitglieder und Förderer aus England durch ihre Spenden den Ausbau ermöglicht hatten. Der einfach gehaltene Terrassensaal dient fĂŒr Gruppenarbeiten und wird auch als Raum fĂŒr wechselnde Ausstellungen genutzt.

In der Westfassade befindet sich das reprĂ€sentative Hauptportal, das von drei mĂ€chtigen doppelflĂŒgeligen TĂŒren im Sockelbau gebildet wird. Von da gelangt man zu den Garderoben des Grossen Saals und in das Foyer. Über diesen Eingang kommt man in das massive Westtreppenhaus, das von einer grosszĂŒgigen und breiten Doppelwendeltreppe gebildet wird. Im ersten Geschoss fĂŒhrt nach Westen eine von Eisenstreben durchzogene Glasfront mit doppelflĂŒgeliger GlastĂŒre auf den als Terrasse genutzten Sockelunterbau. Nach Osten fĂŒhrt ein Gang zum Verwaltungstrakt des Goetheanums. Der Innenausbau des unverputzten und unbemalten Westtreppenhauses, der weitgehend den konstruktiven Formen in Gestalt von flach schwingenden Strebebögen folgt und damit viele innere Details der Konstruktion sichtbar macht, wurde von Rex Raab und Arne Klingborg gestaltet.cite-ref-84[84]

Glasfenster

Der weitere Weg treppaufwĂ€rts zum Grossen Saal fĂŒhrt an ein – von aussen kaum erkennbares – rotes Fenster in Form eines Triptychons. Das Thema dieses Fensters sowie der weiteren im Grossen Saal ist die individuelle Entwicklung des Menschen, sein Streben nach Erkenntnis und Weiterentwicklung. Im linken Fenster blickt ein Mensch mit gesenktem Haupt von einem Berg; sein Blick aus Angst, Hass, Spott und Zweifel verstellt ihm den Blick der aufsteigenden grĂ€ulichen Tiere. Das mittlere Fenster stellt ein von Engeln umrahmtes, ernst blickendes Antlitz mit Lotusblumen dar. Die Einbindung dieses Individuums in den Kosmos wird durch angedeutete Tierkreisbilder des Löwen, des Stiers und mit dem Planeten Saturn dargestellt. Im unteren Teil ist eine Darstellung des Erzengels Michael, der Mut gefasst hat im Kampf mit dem Drachen. Im rechten Bild schliesslich haben die Wesen freien Ausblick auf geistige Höhen erlangt.cite-ref-85[85]

Die weiteren Fenster dieser Serie befinden sich im Zuschauerraum des Grossen Saals, beidseitig vom Eingang bis zur BĂŒhne in einer Abfolge der Farben GrĂŒn, Blau, Violett und Rosa angeordnet. Da die Fenster innerhalb des Grossen Saals nicht wie im ersten Goetheanum als Triptychon gestaltet werden konnten, erfolgt «die motivische Dreiteilung der hohen Fenster» untereinander.cite-ref-86[86]

Die grĂŒnen Fenster stellen den Kampf mit dem Bösen dar. Die Schlange, die sich mit stechendem Blick in die Erde bohrt, symbolisiert im Nordfenster die kĂŒhle und scharfe Intelligenz. Im SĂŒdfenster stellt sich das Böse als verlockender Engel dar, der dem Menschen zwar Erkenntnis und SelbststĂ€ndigkeit in Aussicht stellt, ihn aber von der geistigen Welt abbringt. In der Anthroposophie werden diese beiden Gestalten des Bösen als Ahriman und Luzifer bezeichnet.cite-ref-87[87]

In den blauen Fenstern werden die Geheimnisse des Raumes offenbart. Der sogenannte «GeistesschĂŒler» erkennt den Zusammenhang zwischen Makro- und Mikrokosmos. Das SĂŒdfenster stellt den Aufbau des Leibes dar, die Darstellungen im Nordfenster gehen auf den Zusammenhang der menschlichen Sinne – reprĂ€sentiert durch Seh- und Tastsinn – und des Kosmos ein.cite-ref-88[88]

Die violetten Fenster zeigen den Weg von Seele und Geist (Geistseele) und ihrer zeitlichen Entwicklung. Nach Rudolf Steiners VerstĂ€ndnis durchlaufen diese eine lange Reihe von Inkarnationen und eignen sich damit FĂ€higkeiten und Lebenserfahrung an. Im SĂŒdfenster bewegt sich die Geistseele von der geistigen Welt hinein in die irdische und befindet sich zwischen Tod und neuer Geburt. Als Januskopf dargestellt blickt sie gleichzeitig in die Vergangenheit und die Zukunft hinein. Unter der Situation wird ein Elternpaar gezeigt. Im Nordfenster beginnt die Geistseele ihren Zustand mit dem Tod – durch einen Leichnam dargestellt, der von seinen Angehörigen umringt ist. Der geschlĂ€ngelte Weg des Lebens fĂŒhrt ihn in mehreren Stationen rĂŒckwĂ€rts vom alten Mann bis zum SĂ€ugling und von dort zu höheren SphĂ€ren. Auf diesem Weg setzt sich der Mensch mit der Frage, wie er zu Christus und Gott steht, auseinander; bildlich durch die Kreuze von Golgota und die Gesetzestafeln angedeutet.cite-ref-hasler-s-46-89-0[89]

Die rosa Fenster haben jene Dimension zum Thema, die jenseits von Raum und Zeit rein geistige Ziele verfolgt. Das SĂŒdfenster deutet in seinen Darstellungen die Meditation des Geistwesens der Menschen an. Das Nordfenster stellt die Frage dar, wie der Mensch zu Christus steht und wie Christus mit Luzifer und Ahriman umgeht.cite-ref-hasler-s-46-89-1[89]

Die Fenster stammen von der russischen KĂŒnstlerin Assja Turgenieff, die bereits beim Bau des ersten Goetheanums mitgewirkt hat. Die Herstellung der Fenster zog sich ĂŒber Jahrzehnte hin, so dass diese erst zu Pfingsten 1945 eingeweiht werden konnten. Die StĂ€rke der Glasplatten betrĂ€gt etwa 17 Millimeter. Die Farben der geschliffenen Scheiben wurden durch Zugabe von Metallen und Metallsalzen hergestellt. So erhielt beispielsweise das rote Fenster ZusĂ€tze von Gold, das grĂŒne Fenster erhielt die FĂ€rbung durch Eisensalze. Die Motive wurden mit einem wassergekĂŒhlten Schleifkopf erstellt, um Spannungen und Risse am WerkstĂŒck zu vermeiden.

Grosser Saal

Der knapp 1000 SitzplĂ€tze fassende Grosse Saal besteht in seiner GrundflĂ€che aus einem sich zur quadratischen BĂŒhne hin öffnenden Trapez. Die auseinander laufenden WĂ€nde vermitteln selbst den Zuschauern auf den hinteren RĂ€ngen durch die perspektivische Wirkung den Eindruck, der BĂŒhne sehr nahe zu sein. Die Form von ineinander verlaufendem Quadrat und Trapez ist eine Metamorphose der Doppelkuppel des ersten Goetheanums. FĂŒr die Gestaltung des Grossen Saals konstruierte man an jeder Seite sieben Pfeiler, wobei der erste und der siebte mit den Ecken des Saals verschmelzen, was ebenfalls als bauliche Metamorphose zum ersten Goetheanum gedacht war. Bereits dort waren die sieben SĂ€ulen und Kapitelle mit dem darĂŒber geschwungenen Architrav ausgestaltet worden. Durch die je vier Glasfenster auf der Nord- und SĂŒdwand ist der Zuschauerraum tagsĂŒber in einem immanent farbigen Licht erleuchtet.

Die flache, ebenfalls trapezförmige Decke ist mit szenischen Bildern unter Nutzung von Pflanzenfarben ausgemalt. Die Deckenmalerei umfasst rund 560 Quadratmeter und besteht aus einem an der Decke aufgehĂ€ngten Stahlskelett, auf das eine Mischung aus Gips, Kalk und Sand aufgespritzt wurde.cite-ref-90[90] Die Deckenmalerei ĂŒber der Orgel zeigt in tiefen Blautönen den Schöpfungsvorgang, namentlich wirken die Elohim in die Erde hinein, symbolisiert durch Lichtwesen. Die weitere Darstellung von Augen und Ohren gehören zum geschaffenen Wesen. Das Bild setzt sich mit der alttestamentlichen Paradiesszene fort, in welcher der Mensch der VerfĂŒhrung durch die Schlange widerstehen muss. Daneben werden Griechenland und das Ödipus-Motiv gezeigt. An den SeitenrĂ€ndern sind im Mittelteil – mit Blickrichtung zur BĂŒhne – links das von einer Wasserkatastrophe zerstörte Atlantis und rechts das durch Feuer zerstörte Lemuria gemalt; diese beiden fiktiven Orte spielen in Steiners Geistesforschung eine Rolle.cite-ref-91[91] Zur BĂŒhne hin sind der indische, persische und Ă€gyptische Mensch als ReprĂ€sentanten der ersten historisch bekannten Hochkulturen dargestellt. Über der BĂŒhne im Osten sind in der Form der Buchstaben I-A-O Szenen ĂŒbereinander dargestellt: Gottes Zorn und Wehmut (I), der Reigen der Sieben (A) und der Kreis der Zwölf (O). Dies soll Aufforderung sein, die auseinanderstrebenden KrĂ€fte des Denkens, FĂŒhlens und Wollens zu vereinen.cite-ref-92[92]

Nach der Fertigstellung des zweiten Goetheanums wurde der Saal fast 30 Jahre lang im Rohbau genutzt und erst in den folgenden Jahrzehnten ausgestaltet. In den 1930er Jahren wurden die ersten Glasfenster eingesetzt und Anfang der 1950er Jahre die Orgel. Ein erster Innenausbau mit einfachen Formen erfolgte 1957 unter Leitung von Johannes Schöpfer (1892–1961). Da die ursprĂŒnglich eingehĂ€ngte Decke aus Asbest nicht nur aufgrund der GesundheitsgefĂ€hrdung problematisch war, sondern auch akustisch wie optisch keine optimale Lösung darstellte, kam es zu einem Ideenwettbewerb fĂŒr die Neugestaltung. Allerdings waren die EntwĂŒrfe umstritten und fĂŒhrten jahrzehntelang nicht zu einer endgĂŒltigen Lösung. Erst als die Behörden in den 1980er Jahren den Abbau von asbesthaltigen Bauteilen in von Personen genutzten, geschlossenen RĂ€umen aus GesundheitsgrĂŒnden forderten, wurde der Rohbau 1989 ausgehöhlt und in der zweiten HĂ€lfte der 1990er Jahre neu gestaltet.cite-ref-93[93]

Die problematische Akustik des ersten Saalbaus liess sich durch das HinzufĂŒgen von schallschluckenden Teilen bei einem Saal dieser Grösse nicht befriedigend lösen.cite-ref-94[94] Im Juni 1994 beschloss der Vorstand des Goetheanums, Planungsarbeiten zum Umbau des Grossen Saals in Auftrag zu geben. In einem Zwischenbericht zeigte sich im Februar 1995, dass die Akustik immer noch nicht befriedigend gelöst werden konnte und drohte, den Zeitplan durcheinanderzubringen. Aus diesem Grund reisten am 6. MĂ€rz Akustiker ans Goetheanum, um die Möglichkeiten vor Ort auszuloten. Dabei machten sie den Vorschlag, dass die Halbpfeiler von der Aussenwand losgelöst werden sollten und stattdessen frei stehende, nicht tragende Pfeiler etwa 2,5 bis 3 Meter in den Raum an den Rand der Sitzreihen hineinragen sollten. Der Vorschlag der Akustiker musste auf seine Folgen fĂŒr Statik und Kosten hin ĂŒberprĂŒft werden und wurde schliesslich am 23. Oktober 1995 von der Baubehörde unter Auflagen, die Brandsicherheit betreffend, zur AusfĂŒhrung freigegeben.cite-ref-95[95] Am 12. August 1996 beging man den Baubeginn mit einem Festakt, an dem Ulrich Oelssner als Architekt und Christian Hitsch als kĂŒnstlerischer Leiter beteiligt waren. Der Abbruch und die Demontage des Inventars begann. Die ausgebauten Glasfenster wurden im Keller zwischengelagert. Am 25. November wurden die Asbestsanierungsarbeiten abgeschlossen und der Abbruch war so weit vorangeschritten, dass man vom Saal aus das DachgebĂ€lk sehen konnte. Im Dezember begannen parallel die Arbeiten an den Pfeilern und Architraven und Ende des Monats waren die Abbrucharbeiten vollstĂ€ndig abgeschlossen. Im Januar 1997 wurden die BewehrungsgerĂŒste in der SĂŒdwand eingebaut, die spĂ€ter mit Spritzbeton aufgefĂŒllt wurden. Nach demselben Prinzip stellte man auch die Nordwand und die Decke her, die spĂ€ter noch fĂŒr die endgĂŒltige Formgebung behauen werden sollten. Damit die Gestaltung mit dem Beton leichter möglich war, wĂ€hlte man als Beimischung Bims- und Kalkstein statt des sonst ĂŒblichen Flusskieses. FĂŒr den rötlichen Farbton wurde Eisenoxidpulver, als anorganisches Pigment, beigegeben.cite-ref-96[96]cite-ref-97[97]

Am 14. Februar 1997 wurde die betonierte Orgelempore fertiggestellt. Die am Dachstuhl abgehĂ€ngte Deckenkonstruktion wurde am 23. Juli 1997 mit 35 Tonnen Gips-Kalk-Putz gefĂŒllt und am 16. Oktober konnte mit der Deckenmalerei begonnen werden. Anfang 1998 wurden die Glasfenster wieder eingesetzt und bereits am 3. April konnte der Saal wieder dem Betrieb ĂŒbergeben werden.cite-ref-98[98] Die Baukosten fĂŒr den Saalumbau betrugen rund 25 Millionen Franken und wurden zum grössten Teil aus Spenden finanziert.cite-ref-99[99]

Der 1998 abgeschlossene Saalbau erntete Lob fĂŒr die Beseitigung des Asbests, die Verbesserung des Lichts, der StĂŒhle und der Akustik und die installierte Konferenztechnik. Die Bauherren sahen sich aber auch, und bis heute, mit starker Kritik aus der internationalen Mitgliedschaft und Öffentlichkeit konfrontiert, die die kĂŒnstlerische Gestaltung fĂŒr einen Fehlgriff halten. Man habe, so dieser «Retrovorwurf», das erste Goetheanum manieristisch in das zweite hineingebaut und damit einen RĂŒckschritt vollzogen, statt die grosse kĂŒnstlerische ErnĂŒchterung Steiners vom ersten zum zweiten Bau auch im Innern des Saales fortzusetzen.cite-ref-ramon-br-ll-100-0[100]

BĂŒhne

Der Grosse Saal beherbergt hinter dem BĂŒhnenvorhang einen fast kubischen BĂŒhnenraum. Er misst 23 Meter Breite, 21,4 Meter Höhe bis zum SchnĂŒrboden und 19,4 Meter Tiefe. Damit soll er bis in die 1960er Jahre die grösste BĂŒhne Europas gewesen sein. Beidseitig der HauptbĂŒhne schliessen sich, durch weite Tore abgetrennt, im Nord- und SĂŒdtrakt kleinere SeitenbĂŒhnen an, die fĂŒr die Vorbereitung von Kulissen und Requisiten dienen. Das BĂŒhnenportal hat eine Höhe von 8,5 Meter, sodass die OberbĂŒhne 12,9 Meter misst. In ihr können VorhĂ€nge, Schleier, Dekorationen und variable BĂŒhnenbilder untergebracht werden. Der BĂŒhnenboden hat verschiebbare Teile, die je nach Bedarf erhöht oder abgesenkt werden können. Zur BĂŒhnenmaschinerie gehören auch an den WĂ€nden untergebrachte mechanische GerĂ€uschmaschinen. Beispielsweise wird das GerĂ€usch fĂŒr Regen durch eine drehende Trommel mit Kies erzeugt und das DonnergerĂ€usch durch eine Stahlkugel, die in einen hölzernen Kanal fĂ€llt. Die grundlegende Gestaltung der BĂŒhne geht auf das Errichtungsjahr 1928 zurĂŒck; 2013 bis 2014 wurde die BĂŒhnentechnik nach 85 Jahre Betrieb generalĂŒberholt und modernisiert. Die Lichtanlage der Goetheanum-BĂŒhne ist darauf ausgelegt, den ganzen BĂŒhnenraum in flutendes Licht zu tauchen, wie es fĂŒr die Eurythmie ĂŒblich ist; bei dieser Bewegungskunst kommt es weniger auf punktuelle Lichtakzente durch Spots und Verfolger an als vielmehr auf eine den gesamten BĂŒhnenraum umfassende, grossflĂ€chige Farbgestaltung durch die Beleuchtung. Die Anlage, die auf einer BeleuchtungsbrĂŒcke in der Decke beidseitig der Zentralleuchte sowie in den Seitenpfeilern montiert ist, vermag sowohl vielfĂ€ltige Farbwirkungen zu erzeugen als auch das Licht im Randbereich sehr differenziert zu gestalten. Die Steuerkabine der Lichttechnik befindet sich links, die der Tontechnik symmetrisch dazu rechts hinter den ZuschauerrĂ€ngen.cite-ref-101[101]

Orgel

Die Orgel im Grossen Saal wurde 1957 von Orgelbau Kuhn aus MĂ€nnedorf mit 28 Registern erbaut.cite-ref-102[102] Das Instrument steht auf einer Empore aus Spritzbeton ĂŒber dem Eingangsportal gegenĂŒber der BĂŒhne. Der unter Verwendung von Ulmenholz gebaute Prospekt entstand im Jahr 1998 und passt sich dem architektonischen Stil des Goetheanums an.

Mit der Neugestaltung des grossen Saales wurde entsprechend Steiners Vorgaben eine Anpassung der Orgel erforderlich. Daher wurde das Instrument 2000 wieder eingebautcite-ref-103[103] und 2004 von der Saalfelder Orgelbaufirma Rösel & Hercher umfassend ĂŒberarbeitet, mit einem neuen Spieltisch und neuen Trakturen ausgestattet und der sensiblen Raumakustik angepasst und neu intoniert.

Die Orgel hat heute 30 klingende Register auf zwei Manualen und einem Pedal und arbeitet mit Schleifladen.cite-ref-104[104] Sowohl die Register- wie die Spieltrakturen sind elektrisch.cite-ref-105[105]

In klanglicher Hinsicht weist das Instrument zwei Besonderheiten auf, die AusfĂŒhrungen von Steiner zur Musik aufgreifend. Zum einen betrĂ€gt die Stimmtonhöhe C = 128 Hz, was a1 = 432 Hz entspricht. Zum anderen wurde eine spezielle, musikphilosophisch inspirierte Stimmung realisiert, die von der Anthroposophin Maria Renold (1917–2003) entwickelt wurde und auf die ĂŒbliche Temperierung zugunsten vieler reiner Quinten verzichtet (Zwölf-Quintentöne-Leiter).cite-ref-106[106]

Disposition der Orgel

Anmerkung:

‱ R = von Rösel ergĂ€nztes Register

SĂŒd- und NordflĂŒgel

Der SĂŒdeingang wird im tĂ€glichen Betrieb am hĂ€ufigsten benutzt. Ähnlich wie im Westtreppenhaus setzt sich das Gestaltungsprinzip des Äusseren im Inneren fort. AuffĂ€llig ist, dass im GelĂ€nder ein Handlaufprofil eingearbeitet ist, welches dem Griff der menschlichen Hand entspricht. Das Treppenhaus im SĂŒdtrakt sowie das dazugehörige VestibĂŒl wurden 1930 fertiggestellt.cite-ref-107[107] Weitere Ausbauten wurden in den Jahren 1951 und 1993 vollzogen. In diesem Bauteil wurde im Jahr 1981 im ersten Geschoss ein Konferenzraum gebaut, im 5. Stock ein Ausstellungsraum 1935 fertiggestellt und im 6. Stock folgte das sogenannte SĂŒdatelier im Jahr 1993. Das 1987 bis 1991 vollendete Nordtreppenhaus fĂŒhrt im 5. Stock zum Nordsaal (1986) und im 6. Geschoss zum Nordatelier (1987). Im Gegensatz zum Westteil sind WĂ€nde und Decken im Treppenhaus mit warmen Farbtönen bemalt. Die Farbgestaltung aus den 1980er Jahren geht auf das Konzept des in Schweden lebenden Malers Fritz Fuchs (* 1937) zurĂŒck.cite-ref-108[108]

«MenschheitsreprÀsentant»

menschheitsrepr-c3-a4sentantmenschheitsrepr-sentant

Der sogenannte «MenschheitsreprĂ€sentant» mit dem Werktitel Der MenschheitsreprĂ€sentant zwischen Luzifer und Ahriman ist mit ĂŒber acht Meter Höhe und einer Masse von 20 Tonnencite-ref-ohlenschl-ger-s-113-109-0[109] die grösste Skulptur im Goetheanum. Sie wurde zur Zeit des ersten Goetheanums von Rudolf Steiner und Edith Maryon ab August 1914cite-ref-110[110] geschaffen. Da sie damals, weil noch unvollendet, nicht im Goetheanum, sondern im Hochatelier der Schreinerei aufgestellt war, ĂŒberstand sie den Brand. Die geschnitzte Holzskulptur, die ursprĂŒnglich hinten auf der BĂŒhne des Grossen Saales des ersten Goetheanums stehen sollte, befindet sich seit 1935 in einem separaten Ausstellungsraum im 5. Obergeschoss, zugĂ€nglich ĂŒber das sĂŒdliche Treppenhaus.cite-ref-ohlenschl-ger-s-113-109-1[109] In den 1960er Jahren wurde eine erste umfassende Restauration der Skulpturengruppe und seiner Vorstudien vorgenommen.cite-ref-111[111] Im genannten Ausstellungsraum steht ein von innen begehbares detail- und materialgetreues Modell des ersten Goetheanumbaus im Massstab 1:20.cite-ref-112[112]

Die Figurengruppe wird dominiert von der zentralen Darstellung eines frei stehenden, energisch und standhaft wirkenden Christus (→ Steiners Christologie), welcher die linke Hand erhoben hat und dessen rechter Arm nach unten weist. Den Hintergrund bildet eine Felsformation, aus der auf der rechten Seite eine Luziferfigur mit gebrochenen FlĂŒgeln herausragt. Luzifer wird ob der Übermacht Christi in die Tiefe gestĂŒrzt. Die Basis der Skulptur bildet eine angedeutete Höhle, in der sich der ausgemergelte Ahriman befindet. Sowohl Luzifer wie Ahriman werden ein weiteres Mal links von Christus dargestellt.

Trotz des religiösen Anklangs betonen Anthroposophen, dass der MenschheitsreprĂ€sentant keine religiöse Skulptur sei, sondern mit dem gesamten Schicksal der Menschheit zu tun habe.cite-ref-113[113] Entgegen der fachsprachlich korrekten Bezeichnung beschrieb Rudolf Steiner die Statue ĂŒbrigens bewusst als Holzplastik und nicht als Skulptur. Er differenzierte den Begriff, da er im Herstellungsprozess der Skulptur einen lebendigen Prozess sah, aus dem der Holzblock ins «Plastische» hervortrete.cite-ref-114[114] Die Skulptur wurde 2011 unter Denkmalschutz gestellt.cite-ref-115[115] Eine tatsĂ€chliche Deutung der Figur bleibt schwierig und die dazu erschienene Literatur bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten. Der Historiker Helmut Zander, der sich in seiner Habilitationsschrift sehr ausfĂŒhrlich mit der Geschichte der Anthroposophie auseinandersetzte, beschrieb den «MenschheitsreprĂ€sentanten» als Skulpturenensemble, der in Steiners Weltbild zwischen Materialismus und Spiritualismus stehe und eine Art Erlöserfigur angesichts der Bedrohungen des Menschen sei.cite-ref-116[116] Die Frage, welcher der beiden KĂŒnstler massgeblich an der Erstellung der Skulptur gewirkt hat, wurde in der neueren Forschung eher zugunsten Maryons ausgelegt, nachdem ihre Rolle zunĂ€chst unterbeleuchtet geblieben war.cite-ref-117[117]

1935 wurde im gleichen Bauabschnitt wie der Ausstellungsraum fĂŒr die Gruppe des «MenschheitsreprĂ€sentanten» ein kleiner «Urnenraum» als Andachtsraum eingerichtet. Er diente den Urnen mit der Asche Rudolf Steiners sowie einiger seiner Mitarbeiter und wurde feierlich zum zehnten Todestag Steiners eröffnet. Der Eingang befindet sich im Ausstellungsraum auf der Sockelhöhe gegenĂŒber der Skulptur. 1992 wurde Steiners Urne – und in der Folge die weiteren, die sich angesammelt hatten – dann aber im Gedenkhain bei der Rudolf-Steiner-Halde beigesetzt, so dass seither dieser Raum nicht mehr benutzt wird.

Nichtöffentliche RÀume

Das Goetheanum ist kaum unterkellert. Die wenigen und niedrigen KellerrĂ€ume wurden in den 1990er Jahren erweitert und als Archiv, Lager und fĂŒr technische Einrichtungen ausgebaut. Das Archiv ist von den KellerrĂ€umen ĂŒber einen unterirdisch begehbaren Gang mit dem Heizhaus verbunden, und zwar bereits seit der Zeit des ersten Goetheanums. Die fehlenden KellerrĂ€ume werden durch viele RĂ€ume, Nischen und Korridore kompensiert. Bereits um den Grossen Saal herum befindet sich ein Hohlraum, der zwischen Dach und Decke stellenweise sieben Meter Höhe erreicht. Das Dach wird von Bindern getragen, an denen StahlstĂ€be zur AufhĂ€ngung befestigt sind. In so einem Zwischenraum ist die BeleuchtungsbrĂŒcke mit der zentralen Leuchteinheit untergebracht. Der Hohlraum setzt sich an den Seiten fort bis in die Luftwurzeln. Oberhalb des Grossen Saals befinden sich zwei Requisitenlager in der obersten Plattform, die unter anderem tausende TheaterkostĂŒme beherbergen. Von diesen RĂ€umen gelangt man in die nur rund 80 Zentimeter breiten ZwischenrĂ€ume zwischen den farbigen Glasfenstern und den aus Panzerglas bestehenden Aussenfenstern. Weitere RĂ€ume rund um den BĂŒhnenbereich sind nur ĂŒber zwei interne TreppenhĂ€user erreichbar. Sie enthalten BĂŒros fĂŒr den BĂŒhnenbetrieb, Garderoben, ein MitarbeitercafĂ© sowie LagerrĂ€ume fĂŒr Kulissen und Requisiten. Das nordöstliche Treppenhaus befand sich bis in die 2000er Jahre im oberen Abschnitt nur im Rohzustand und bestand nur aus Beton und Eisenarmierungen.cite-ref-118[118]

LĂŒftungs- und BrandbekĂ€mpfungssystem

Im ganzen Haus befinden sich insgesamt zwölf LĂŒftungsanlagen. In einem LĂŒftungssystem wird frische Luft aus dem sogenannten Lichthof – einem freien Raum zwischen Oberbau und Terrasse im Nordosten – in den Keller angesaugt, um ihn dann, nachdem er die Heizaggregate passiert hat, ĂŒber KanĂ€le mit grossem Querschnitt unter dem Boden des Grossen Saals zu verteilen. Die grossen Querschnitte sorgen einerseits dafĂŒr, dass der Luftstrom nicht als Zugluft empfunden wird, andererseits ist die LĂŒftung technisch Ă€usserst gerĂ€uscharm. Die im Saal zirkulierende Luft wird ĂŒber den Glasfenstern und der Zentralleuchte gesammelt. Die darin noch enthaltene WĂ€rme wird ĂŒber WĂ€rmepumpen extrahiert und in den Keller geleitet, um die frische Luft vorzuwĂ€rmen. Die Abluft wird ĂŒber das Dach nach aussen geblasen.

Im selben Kreislauf lĂ€sst sich die Lufttemperatur gegenĂŒber der Aussentemperatur absenken. FĂŒr die KĂŒhlung stehen zwei grosse Wasserbecken von 160 Kubikmeter Regen- und 220 Kubikmeter Sprinklerwasser zur VerfĂŒgung. Beide Becken können im Bedarfsfall ĂŒber eine Sprinkleranlage im Goetheanum zur BrandbekĂ€mpfung eingesetzt werden. Am Ende der Löschwasserleitungen steht das Wasser fĂŒr die Toiletten zur VerfĂŒgung. Über WĂ€rmepumpen wird das Wasser im Sprinklerbecken auf 6 °C abgekĂŒhlt und die ĂŒberschĂŒssige WĂ€rme in das Regenwasserbecken geleitet. Das mit gĂŒnstigerem Nachtstrom abgekĂŒhlte Wasser kann tagsĂŒber durch die LĂŒftungen in den Saal geleitet werden und ihn um bis zu sieben Grad abkĂŒhlen.cite-ref-119[119]

Parkanlage und Bauwerke in der Umgebung

Das Goetheanum und der umliegende Park bilden ein zusammengehörendes Ensemble. Um das Goetheanum herum befinden sich gegenwĂ€rtig (Stand: September 2011) ĂŒber 180cite-ref-120[120] private WohnhĂ€user sowie Verwaltungs- und Zweckbauwerke, die ebenfalls zum Teil von Rudolf Steiner entworfen wurden. Das Konzept der «Kolonie» hatte sich bereits beim Bau des ersten Goetheanums abgezeichnet.

Auf den vier Architekturpfaden auf dem Dornacher HĂŒgel kann man seit ihrer Eröffnung in der zweiten JahreshĂ€lfte 2011 die wichtigsten Bauwerke der Siedlung in Dornach und dem benachbarten Arlesheim erkunden.cite-ref-121[121]

Die organische Form des Goetheanums setzt sich in der Landschaftsgestaltung des HĂŒgels mit Möblierungen wie SitzbĂ€nken, Gartentoren oder Laternen sowie Marksteinen fort. Dazu gehört auch eine ĂŒber sieben ringförmig angeordnete Stufen erreichbare Aussichtsplattform. Diese liegt auf der Höhe des sogenannten Drachenschwanzes, von dem der Blick auf die Nordwestseite des Goetheanums möglich ist. Zur Gestaltung der HĂŒgellandschaft wurde der Aushub des Goetheanums verwendet.cite-ref-122[122]

FĂŒr die Bepflanzung der Anlage um das Goetheanum gab Steiner die Anweisung aus, dass möglichst schlichte und billige Pflanzen und BĂ€ume zu verwenden seien. Bis heute ist der Garten grösstenteils eine Streuobstwiese. Einige Teile sind mit ImmergrĂŒn und Ligusterhecken bepflanzt. Sowohl die gartenarchitektonische Gestaltung des rund 45'000 Quadratmeter grossen GelĂ€ndes wie auch seine Bepflanzung wĂ€hlte Steiner so aus, dass die hauptsĂ€chliche Aufmerksamkeit auf das Goetheanum gelenkt wird.cite-ref-123[123] Westlich des Goetheanums verlĂ€uft eine breite Allee, an der SitzbĂ€nke und alle acht Meter Wegsteine von 77 und 125 Zentimeter Höhecite-ref-124[124] aufgestellt sind. Die Allee sei ein «Promenierweg» fĂŒr diejenigen, «die aus dem Bau heraustreten, aber gleichsam noch in seinem vollen Ausstrahlungsbereich verbleiben wollen» – so Bernardo Gut zur Gestaltung.cite-ref-125[125]

Landschaftspark

Der Landschaftspark am Goetheanum wurde 1954, nach Steiners nur teilweise umgesetzten Gartenkonzepten, vom anthroposophischen Gartenarchitekten Max Karl Schwarz (1895–1963) aus Worpswede neu gestaltet und angelegt. Max Karl Schwarz war einer der bedeutendsten Pioniere des biologisch-dynamischen Gartenbaus und Architekt des ersten anthroposophischen Siedlungsprojekts Loheland bei Fulda sowie Erfinder verschiedener Kompostiermethoden. Er begann mit der Pflege des in der Schweiz bereits ausgestorbenen RĂ€tischen Grauviehs und fĂŒhrte die bis heute bestehende biologisch-dynamische Bewirtschaftung des Landschaftsparks am Goetheanum ein, die genau auf die kleine und langlebige Rindersorte abgestimmt wurde. Dies hat er auch in seinen bekannten GĂ€rtnerhofkonzepten fĂŒr die Selbstversorgung von Familien und Gemeinschaften vielfach veröffentlicht und umgesetzt.cite-ref-126[126]

Heizhaus

Das 1915 errichtete HeizgebĂ€ude, das erste in Beton errichtete Bauwerk dieses Ensembles, gehört zu den auffĂ€lligsten Bauten um das Goetheanum. Dem zweigeschossigen Unterbau mit Fenstern in jeder Etage setzt sich ein skulptural geformter Oberbau auf, der durch seine Formgebung an eine Sphinx erinnert. Der Schornstein ist hinter einem verĂ€stelten, baumartigen Gebilde kaschiert. Der Rauch teilt sich nach Steiners Ansicht in einen physischen und einen Ă€therischen Teil auf; der physische wird durch den Schlot reprĂ€sentiert, der Ă€therische durch seine seitlich entweichenden VerĂ€stelungen.cite-ref-127[127] Das am nördlichen Rand des HĂŒgels befindliche Heizhaus dient bis heute der WĂ€rmeversorgung. Allerdings wurde Anfang der 1990er Jahre die ursprĂŒngliche Kohleheizung durch ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk ersetzt. Damit wurde es möglich, noch 15 weitere GebĂ€ude zu beheizen. Das Heizhaus, das ĂŒber einen unterirdisch begehbaren Tunnel mit dem Goetheanum verbunden ist, produziert rund 250 kW WĂ€rme und 190 kW ElektrizitĂ€t.cite-ref-128[128]

Transformatorhaus

Ein weiterer bemerkenswerter Zweckbau ist das an einer Strassenkreuzung stehende TransformatorenhĂ€uschen im SĂŒdwesten des HĂŒgels. Das von Rudolf Steiner entworfene und im Jahr 1921 erbaute Bauwerk fĂ€llt durch seine in alle Himmelsrichtungen reichenden kubischen Auskragungen mit SatteldĂ€chern auf. An seinen Giebelseiten zweigten die Freileitungen ab. Es wird heute vom örtlichen ElektrizitĂ€tswerk betrieben und dient damit nach wie vor der öffentlichen Stromversorgung. Ob Steiner bei der örtlichen Trennung von Transformator- und Heizhaus vom Goetheanum an Sicherheitsaspekte dachte, ist unbekannt. Er verstand Technik als «ahrimanisch-dĂ€monische Kraft», die mittels «wesensgemĂ€sser» Architektur zu offenbaren sei, um ihre negativen KrĂ€fte unschĂ€dlich zu machen.cite-ref-129[129] Auf derselben Kreuzung gegenĂŒber vom Trafohaus steht das als Speisehaus bezeichnete GebĂ€ude. Es dient als CafĂ©, Restaurant, Boutique und BĂ€ckerei.

Schreinerei und Hochatelier

SĂŒdöstlich des Goetheanums befindet sich die Schreinerei von 1913. Sie ist ein einfaches, holzverschaltes GebĂ€ude und war wĂ€hrend des Baus des ersten wie des zweiten Goetheanums Arbeitsplatz der Zimmerei, aber auch Ort fĂŒr kulturelle Veranstaltungen wie VortrĂ€ge und AuffĂŒhrungen. Das GebĂ€ude war als Provisorium fĂŒr die Schreiner- und Zimmerarbeiten des ersten Goetheanums errichtet worden. Das barackenĂ€hnliche GebĂ€ude, ursprĂŒnglich ohne Fundamente, nimmt heute eine FlĂ€che von 2800 Quadratmetern ein. Es diente in der Zeit, als das Goetheanum noch nicht fertig gestellt war, und dann bis heute, fĂŒr Proben und als Vortragssaal.cite-ref-130[130] Der baufĂ€llige Schreinereikomplex, zu dem auch das Hochatelier gehört, wurde in den 1980er Jahren ausgebaut und saniert. Dazu erhielten die Bauten auch Fundamente unter ihre Holzkonstruktion. Das neben dem Hochatelier gelegene Arbeitsatelier von Rudolf Steiner wurde ab Oktober 1924 zu seinem Krankenzimmer. In ihm verbrachte er seine letzten sechs Monate und dort starb er am 30. MĂ€rz 1925.cite-ref-131[131]

Glashaus

Das ebenfalls 1914 erbaute Glashaus oder Glasatelier besteht aus zwei getrennten zylinderförmigen Baukörpern mit separaten KuppeldÀchern. Zwischen den Zylindern befindet sich auf dem Dach des Mittelbaus ein Balkon, der von beiden mit Schindeln bedeckten Kuppeln aus begehbar ist. Das Glashaus wurde zur Bearbeitung der im Goetheanum eingebauten Fenster eingerichtet.

Heute dient es der «Naturwissenschaftlichen Sektion» und der «Sektion fĂŒr Landwirtschaft» der Freien Hochschule fĂŒr Geisteswissenschaft. Die Westkuppel beherbergt einen Seminarraum, in der Ostkuppel ist eine Bibliothek untergebracht und im unteren Stockwerk sind WerkstĂ€tten und BĂŒrorĂ€ume.cite-ref-132[132]cite-ref-133[133] Das Holzhaus erinnert durch seine Form entfernt an den ersten Goetheanum-Bau.

Haus Duldeck

Westlich des Goetheanums und unweit des Fussweges, der als Zentralachse zur Westfassade fĂŒhrt, steht am HĂŒgelrand an einem kleinen runden Platz das 1915 aus Beton erbaute Haus Duldeck, in dem seit 2002 das Rudolf-Steiner-Archiv untergebracht ist.cite-ref-134[134] Das zweigeschossige Haus, das ebenfalls Zimmer beherbergt, wird von einem Gurtgesims, Pilastern und geschwungenem GebĂ€lk gegliedert und hat ein stark modelliertes Dach.

Haus Friedwart

Das Haus Friedwart liegt nordwestlich, direkt unterhalb des Goetheanums. Es wurde nach EntwĂŒrfen von Rudolf Steiner vom Architekten Paul Johann Bay (1891–1952)cite-ref-135[135] erstellt. Das GebĂ€ude, ursprĂŒnglich als Wohnhaus konzipiert, wurde 1921 der anthroposophischen Bewegung zur VerfĂŒgung gestellt. Nach verschiedenen Sekretariaten anthroposophischer Einrichtungen beherbergte es die «Fortbildungsschule am Goetheanum», die erste Schule in der Schweiz auf Grundlage der WaldorfpĂ€dagogik. Heute wird das Haus Friedwart als Hotel garni mit 23 Betten betrieben.cite-ref-136[136]

Rudolf-Steiner-Halde

Zwischen Goetheanum und Haus Friedwart befindet sich auf halber Höhe die Rudolf-Steiner-Halde. Die architektonische Besonderheit des GebĂ€udes, das vor dem Umbau «Haus Brodbeck» hiess und als Sommerresidenz 1905 erstellt worden war, ist ein von Rudolf Steiner entworfener und 1923 kurz vor dem zweiten Goetheanum erstellter nördlicher Anbau. Er diente insbesondere im Hinblick auf die Verwendung des Sichtbetons als Versuchsbau fĂŒr das bevorstehende Neubauprojekt.cite-ref-sichtbar-geformter-beton-77-2[77] Der Anbau diente zunĂ€chst als Eurythmeum und wurde damals so bezeichnet. Die ganze Rudolf-Steiner-Halde wurde 2003/2004 grundlegend saniert. Heute wird es vor allem fĂŒr Tagungen genutzt. In ihm sind die «Sektion fĂŒr Schöne Wissenschaften», die «Sektion fĂŒr redende und musizierende KĂŒnste», die Finanzabteilung und das Puppentheater untergebracht.cite-ref-137[137]

Gedenkhain mit Urnenfriedhof

Benachbart zur Rudolf-Steiner-Halde befindet sich der Gedenkhain, in dem die Urnen von Personen beigesetzt sind, die sich mit der anthroposophischen Bewegung verbunden fĂŒhlten.

So ruht hier die Asche Rudolf Steiners, seiner zweiten Ehefrau Marie von Sivers sowie die des Dichters und Schriftstellers Christian Morgenstern, der eine besondere geistige Zusammengehörigkeit zu Steiner empfand. Nach dem Tod Steiners 1925 war die Urne mit seiner Asche zunÀchst in seinem Arbeits- und Sterbezimmer aufbewahrt worden. 1935 wurde im Goetheanum ein kleiner «Urnenraum» eingerichtet, der die Urnen Steiners sowie einiger seiner Mitarbeiter enthielt. Im Laufe der Jahre kamen weitere Urnen hinzu, ehe gegen Ende des 20. Jahrhunderts der Entschluss gefasst wurde, die Urnen im Park des Goetheanum beizusetzen.

Im Zuge dieses Vorhabens wurde die erste HĂ€lfte der Urnen in den frĂŒhen Morgenstunden des 10. November 1989, noch vor Sonnenaufgang, im Kiefernhain zwischen dem Goetheanum und Rudolf-Steiner-Halde beigesetzt. Am 29. November 1990 wurde in den frĂŒhen Morgenstunden der zweite Teil der bis dahin im Goetheanum befindlichen Urnen im Gedenkhain der Erde ĂŒbergeben. In beiden FĂ€llen wurden die Urnen, die zumeist aus Kupfer bestanden, vor der Bestattung durch HolzbehĂ€lter ersetzt, um der Erde eine baldige Verbindung mit der Asche zu ermöglichen. Mit der Beisetzung der Asche Rudolf Steiners am 3. November 1992 in Anwesenheit des Vorstandes der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und einer Feier am 21. November 1992 wurde die Bestattung aller Urnen aus dem Goetheanum im Gedenkhain abgeschlossen.cite-ref-138[138]

EurythmiehÀuser

Die drei EurythmiehĂ€user sĂŒdlich des Goetheanums entstanden im Jahr 1920. Die von Edith Maryon entworfenen WohnhĂ€user sollten Mitarbeitern des Goetheanums mit minimalem Einkommen Wohnraum zur VerfĂŒgung stellen.cite-ref-139[139]

Haus de Jaager

Ebenfalls sĂŒdlich steht das 1921 entstandene Haus de Jaager, das sowohl als Wohnhaus wie als Atelier diente. Es ist nach dem belgischen Bildhauer Jaques de Jaager benannt, der in diesem Haus wohnte und seine Werke ausstellte. Der von Steiner gemachte Entwurf zu diesem Haus wurde vom Architekten Paul Bay umgesetzt. Das kantige und winklige Bauwerk nahm einerseits die heutige Form des zweiten Goetheanums etwas vorweg; es zitiert aber auch andererseits in abgewandelter Form die Doppelkuppel des ersten Goetheanums. Der als Atelier genutzte Baukörper richtet sich gegenĂŒber den anderen als Wohnung genutzten GebĂ€udeteilen auf, die sich um den Atelierbau herum an drei Seiten angliedern.cite-ref-140[140]

Nutzung

Das Goetheanum versteht sich als Tagungs-, Kultur- und Theaterbau und nicht als Kirche. Daher existierten keine kirchlichen RĂ€ume oder Meditationszimmer.cite-ref-141[141] RegelmĂ€ssig finden Kunstausstellungen in den RĂ€umen des Goetheanums statt. Auf dem «Goetheanum-Campus» arbeiten rund 250 Personen.cite-ref-142[142] JĂ€hrlich besuchen rund 150'000 Menschen das Goetheanum.cite-ref-143[143] Rund 800 Kolloquien, Tagungen und Kurse finden pro Jahr statt.cite-ref-badische-zeitung-die-weltzentrale-38-1[38] EigentĂŒmerin des GebĂ€udes ist die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft. Wirtschaftlich wird das GebĂ€ude im Wesentlichen unterhalten durch Veranstaltungseinnahmen sowie MitgliedsbeitrĂ€ge und Spenden der circa 46'000 Mitglieder.

Kultur und Wissenschaft

Auf der BĂŒhne des Goetheanums werden regelmĂ€ssig Faust-AuffĂŒhrungen dargeboten. Bereits im ersten Goetheanum wurden Szenen aus Goethes Faust gezeigt, sogar noch am Abend vor dem grossen Brand.cite-ref-144[144] Die AuffĂŒhrungspraxis wurde im zweiten Goetheanum kurz nach der Eröffnung fortgesetzt. 1937 reiste das Goetheanum-Ensemble gar als offiziellen Beitrag der Schweiz mit Faust-Szenen zur Weltfachausstellung in Paris.cite-ref-145[145] 1938 wurden, zum ersten Mal weltweit, 106 Jahre nach Veröffentlichung des Werkes, das lange als unspielbar galt, beide Teile von Goethes Faust in einer sieben Tage dauernden Mammut-Inszenierung dargeboten (→ Liste wichtiger Faust-Inszenierungen). Die AuffĂŒhrungen inszenierte Rudolf Steiners Witwe, die Schauspielerin Marie Steiner von Sivers. Festspiele mit Komplett-AuffĂŒhrungen von Faust I und II wurden seitdem fortgesetzt.cite-ref-146[146] Auch 2015–2017 wurde wiederum der Faust I &II ungekĂŒrzt gesamthaft aufgefĂŒhrtcite-ref-147[147] womit die vorletzte Inszenierung aus 2004 abgelöst wurde.cite-ref-148[148]

Die zweite ebenfalls meist festspielartig organisierte Nutzung des grossen Saales betrifft AuffĂŒhrungen der vier Mysteriendramen Steiners.cite-ref-149[149] Meistens in fortgeschriebener Tradition seit den UrauffĂŒhrungen in MĂŒnchen und seit der Eröffnung des zweiten Goetheanumscite-ref-150[150] erfolgen die AuffĂŒhrungen umrahmt von erklĂ€renden VortrĂ€gen und (kĂŒnstlerischen) Kursangeboten. Zuschauer brauchen Ausdauer und Geduld bei einer Gesamtspielzeit von etwa 25 Stunden. Dennoch wird oft vor ausverkauftem Haus (knapp 1000 PlĂ€tze) gespielt. 2012 wurden drei AuffĂŒhrungszyklen gespielt.cite-ref-151[151] Der vor 100 Jahren von Steiner noch vor der Grundsteinlegung zu dem Donateur des Goetheanum GelĂ€ndes Grossheintz gesprochene Satz «Wir haben schon an so etwas wie Bayreuth gedacht» hat sich als recht prophetisch bestĂ€tigt.

Das weitere Kulturprogramm beinhaltet Tagungen zu verschiedenen Themen aus Kultur und Wissenschaft, Konzerte, Eurythmie-, Oper- und TheaterauffĂŒhrungen, Besichtigungen, FĂŒhrungen und Ausstellungen. Die letzten Jahrzehnte nahm die Nutzung als Kongresszentrum fĂŒr die meist mehrsprachig abgehaltenen Jahres- und Weltkongresse aus den anthroposophisch inspirierten Lebensbereichen, wie PĂ€dagogik (WaldorfpĂ€dagogik), Medizin (anthroposophische Medizin) und Landwirtschaft (biologisch-dynamische Landwirtschaft) deutlich zu. Die in der Anfangszeit des Goetheanums fast ausschliesslich europĂ€isch geprĂ€gten Treffen sind, durch diese Entwicklung bedingt, deutlich internationaler geworden.

Administration, Hochschule, Archiv

Das Goetheanum beherbergt eine Buchhandlung, die Redaktion der Zeitschrift Das Goetheanum, eine Eurythmieschule, einen Studiengang in Bildhauerei und bietet viele andere kĂŒnstlerische Kurse an. Hier haben die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft und die Freie Hochschule fĂŒr Geisteswissenschaft mit ihren elf Fachsektionen ihren Sitz.cite-ref-152[152] Die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft gilt als Dachverband der verschiedenen Landesgesellschaften, in denen allgemeine Zeit- und Lebensfragen in Studiengruppen und Lesekreisen erarbeitet werden. In der Freien Hochschule fĂŒr Geisteswissenschaft werden zentrale Fragen der Anthroposophie erforscht. Hierzu gehören unter anderem die Bereiche Medizin, PĂ€dagogik, Bildende Kunst und Sozialwissenschaften. Zum Goetheanum gehören ausserdem die in seiner unmittelbaren Nachbarschaft befindlichen Einrichtungen wie GĂ€rtnerei, Restaurant und der Verlag am Goetheanum.cite-ref-153[153]

Im Ostteil des Bauwerks befindet sich eine anthroposophische Bibliothek mit ĂŒber 110'000 Titeln, die vermutlich alle relevanten Schriften der Anthroposophie umfasst. Daneben beherbergt das Goetheanum ein Archiv mit rund vier Millionen Dokumenten, eine Kunstsammlung und das Planarchiv der Bauadministration mit ĂŒber 8'000 architektonischen PlĂ€nen.cite-ref-154[154]

Interpretation als Tempel

Betrachtet man die exponierte Lage, die Gestaltung des Bauwerks und die zentrale Rolle, die es fĂŒr die Anthroposophen spielt, stellt sich unweigerlich die Frage, ob das Goetheanum nicht als Tempel angesehen werden kann. Die Anthroposophen selber vermeiden die Bezeichnung jedoch und sprechen insbesondere in moderner Literatur neutral von einem «Bau». Diese Einstellung gab es beim ersten Goetheanum noch nicht. Der den Anthroposophen nahestehende französische Schriftsteller Édouard SchurĂ© meinte kurz nach Fertigstellung, dass «die architektonische Synthese des Baus [
] den Charakter eines Tempels»cite-ref-155[155] aufweise. Der Erbauer des Malscher Modells Stockmeyer beschrieb in einem Aufsatz 1949 das Bauwerk gar als «erhabene KultstĂ€tte»cite-ref-156[156] und Steiner selbst nahm vor Erstellung des Bauwerks 1911 dazu Stellung:

«In gewisser Beziehung sollen wir ja einen Tempel bauen, der zugleich, etwa wie dies in alten Mysterientempel waren, eine LehrstĂ€tte ist. â€čTempelâ€ș benennen wir immer im Laufe der Entwicklungsgeschichte der Menschheit alle die Kunstwerke, die dasjenige umschlossen, was den Menschen das Heiligste war.»cite-ref-157[157]

TatsĂ€chlich sprechen beim ersten Goetheanum viele Indizien fĂŒr einen Tempelbau. Durch die besondere Topographie kam dem Bauwerk – durch die geringere Bebauung damals sogar noch stĂ€rker – eine beherrschende Stellung zu. Auch die aufwĂ€ndige Landschaftsgestaltung, die exakte Ostung und die mystisch-zeremonielle Grundsteinlegung am 20. September 1913 vor ausgewĂ€hlten Anwesenden bestĂ€rken den kultischen Charakter. Die ursprĂŒnglichen Planungen gingen sogar noch weiter: Man wollte rund um den Doppelkuppelbau eine Art Wall erbauen und sah drei zentral zulaufende Zufahrtsstrassen vor. Die HĂ€user in der unmittelbaren Umgebung zum Zentralbau sollten in Form eines Pentagramms angeordnet werden. TatsĂ€chlich wurden diese PlĂ€ne nicht umgesetzt, da die naturgegebenen Voraussetzungen die Verwirklichung nicht zuliessen.cite-ref-158[158] Auch der Innenraum der BĂŒhne und des Zuschauerraums wartet durch seine besondere Gestaltung mit SĂ€ulen und farbigen Glasfenstern mit sakralen VersatzstĂŒcken auf. Bereits die Grundsteinlegung selbst war durch ihre kurzfristige AnkĂŒndigung fĂŒr einen auserwĂ€hlten Kreis ein Datum, das einer kosmischen Konstellation folgte, und den Umstand, dass der Akt im Schein von Fackeln stattfand, mystisch-zeremoniell belegt.cite-ref-159[159] Aus all diesen GrĂŒnden kann das erste Goetheanum sehr wohl als Tempel angesehen werden.cite-ref-ohlenschl-ger-s-153-42-1[42]

Das zweite Goetheanum als unmittelbarer Nachfolger ĂŒbernimmt Ostung und Lage des ersten GebĂ€udes, ist jedoch in seiner Gestaltung insgesamt sehr viel verhaltener. Durch die Konzeption mit verschiedenen SĂ€len und RĂ€umen ist es bereits konzeptionell stĂ€rker auf die FunktionalitĂ€t fĂŒr die Freie Hochschule fĂŒr Geisteswissenschaft ausgerichtet. Der mystisch-sakralen Assoziation waren Steiner und seine AnhĂ€nger sich wohl bewusst, sie war aber von ihnen nicht gewollt. Auch die Umbenennung des ersten Bauwerks von Johannesbau in Goetheanum sollte diesem Eindruck entgegenwirken.cite-ref-ohlenschl-ger-s-153-42-2[42] Eine Ambivalenz bleibt. Bei dem letzten Umbau des grossen Saales wurde intensiv ĂŒber kĂŒnstlerische Fragen gestritten. Man versĂ€umte aber – so der Goetheanum-Analyst Ramon BrĂŒll in einen Artikel ĂŒber die derzeitige Finanzlage des Goetheanums – die Frage zu bearbeiten, ob man vorrangig eine KultstĂ€tte, ein Theater oder ein Kongresszentrum bauen wolle.cite-ref-ramon-br-ll-100-1[100] WidersprĂŒchlich bleibt zudem, dass die fĂŒr die Anthroposophen bedeutsame Figur des MenschheitsreprĂ€sentanten wie eine WĂ€chterfigur ĂŒber den Eingang eines heute verwaisten Raumes im Goetheanum hinwegblickt, der bis 1993 als Kolumbarium unter anderem fĂŒr die Urne mit der Asche Steiners diente.cite-ref-160[160]

Die nicht abreissende Diskussion ĂŒber den Standort dieser Statue ist ein weiteres Element, das die Schlussfolgerung nahelegt, dass man sich auch intern im Goetheanum letztendlich uneinig ist, «wie viel Tempel» nun gewollt ist.

Rezeption

Architektonische Einordnung

Bereits beim Bau des ersten Goetheanums rankten sich Mythen und GerĂŒchte um das von den Anthroposophen errichtete Bauwerk. Rudolf Steiner hatte bei der Grundsteinlegung zum ersten Bau zwei kupferne Dodekaeder von Max Benzinger anfertigen und eine Pergamentsurkunde einbetonieren lassen und die HĂ€nde ĂŒber Kreuz gefaltet. Der Zuzug der Anthroposophen im Allgemeinen, die dann einsetzende monumentale BauaktivitĂ€t sowie die Elemente rosenkreuzerischer Zeremonie riefen bei Einheimischen Befremdung, BefĂŒrchtung oder gar Ablehnung hervor. Neben teils bizarr anmutenden GerĂŒchten wie beispielsweise, dass ein «buddhistisches Kloster» auf dem HĂŒgel errichtet wĂŒrde oder dass bei der GrĂŒndung des Bauwerks ein lebendiger Mensch begraben werde, gab es ernste BemĂŒhungen, den Bauprozess ĂŒber die Regierung in Solothurn zu stoppen.cite-ref-161[161] So unterschiedlich die Reaktionen auf das Wirken Rudolf Steiners und der Anthroposophischen Gesellschaft zwischen Bewunderung bis Ablehnung frĂŒher ausgefallen sind und bis heute umstritten bleiben, so unterschiedlich fĂ€llt die Bewertung des Goetheanums aus. Steiner selbst schrieb ĂŒber den Johannesbau – wie das erste Goetheanum ursprĂŒnglich genannt wurde – er baue nicht auf eine geschichtlich ĂŒberlieferte Kunstform auf und leugnete BezĂŒge zum Jugendstil und Expressionismus.cite-ref-162[162] Faktisch weist der Bau allerdings tatsĂ€chlich Parallelen zur Architektur um 1900 auf und hat praktisch keine Wurzeln in Ă€lteren Stilen. Besonders das Ostportal erinnerte an Fenster des Jugendstils. Auch die von Edith Maryon gestalteten Treppenpfosten in Form von SchwanenhĂ€lsen und der Betonunterbau zitieren diese Formensprache.cite-ref-163[163]

Das zweite Goetheanum, das Steiner selbst als eckig beschrieb, fand teilweise selbst im Kreis der Anthroposophen keinen Zuspruch. Den nur grob gegliederten Unterbau bezeichneten sie manchmal abfĂ€llig als «die Garage».cite-ref-zander-s-1162-79-1[79] Dass der Nachfolgebau als eine Art Trutzburg verstanden werden kann, ist im Kontext der Brandkatastrophe verstĂ€ndlich; sie sollte explizit «eine Art Schutz fĂŒr den, der Geistiges in diesem Goetheanum sucht» bieten, paraphrasiert Hagen Biesantz Steiner. Um das zu verwirklichen, musste notgedrungen auf symbolische Formen des VorgĂ€ngerbaus verzichtet werden, was Steiner dazu brachte, den Bau als «viel primitiver» zu beschreiben, da man mit dem «spröden Betonmaterial» arbeiten mĂŒsse.cite-ref-164[164] Der Schweizer Heimatschutz sprach sich vehement gegen den Bau aus.cite-ref-165[165]

Die Ă€sthetische Wahrnehmung insgesamt, aber auch die EinschĂ€tzung der architektonischen Bedeutung sowie seiner Klassifizierung fĂ€llt uneinheitlich aus. Der Anthroposoph Hagen Biesantz beschreibt das Bauwerk in der quasi-offiziösen Publikation als «festungsartigen Betonbau», ein Begriff, der sogar auf Steiner selbst zurĂŒckgeht. DafĂŒr beschrieb der Architekturhistoriker und Nicht-Anthroposoph Wolfgang Pehnt das Bauwerk als «eine der einzigartigsten architekturplastischen Erfindungen, die das 20. Jahrhundert aufzuweisen hat».cite-ref-166[166] Das Äussere des singulĂ€ren Bauwerks weise sogar den Geist des – in den 1920er Jahren noch nicht existierenden – funktionalen Brutalismus auf, wĂ€hrend die kubischen Formen der Wandelhalle, die in den Jahren 1983 bis 1984 gestaltet wurden, postmoderne Formen zitierten.cite-ref-167[167] Deutlich kritischer Ă€usserten sich die beiden italienischen Architekten Mario Brunato und Sandro Mendini, die in einem Beitrag in l’architectura 1960 Steiner zwar als grossen Expressionisten bezeichneten, der Meisterwerke schuf, aber letztlich der Moderne keine neuen Wege aufzeige.cite-ref-168[168]

Der japanische Architekturprofessor Imai Kenji, der Mitte der 1920er Jahre eine Studienreise durch Europa unternahm, besichtigte 1926 das noch unfertige Goetheanum. Er stellte, beeindruckt von der avantgardistischen Architektur von Walter Gropius, die Bauhaus-Bewegung, die er «Architektur des ZweckmĂ€ssigen» nannte, der Steiner’schen gegenĂŒber und beschrieb letztere als «Architektur der Ewigkeit». In diesem Bauwerk sah er die «Sonne des Friedens», die in Harmonie zum Menschen stehe, und appellierte an Architekten, das Goetheanum unbedingt zu besuchen und ĂŒber sein Wesen und seinen Wert nachzudenken.cite-ref-169[169] Dennis Sharp fand gar, die Dornacher Bauten wiesen «erotische ZĂŒge» auf, die «vermutlich eine NaturnĂ€he markierten».cite-ref-170[170] Sharp, der das Goetheanum als eine offene Skulptur bezeichnete, in der sich Menschen bewegen und einen neuen Sinn fĂŒr das Dasein fĂ€nden, sah durch die zeitliche Betrachtung der beiden Goetheanum-Bauwerke einen Fortschritt Rudolf Steiners als Architekten.cite-ref-171[171] Hans Scharoun bezeichnete das Goetheanum sogar als eines der wichtigsten Bauwerke der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts.cite-ref-172[172]

So euphorisch und ergriffen sich manche Architekten ĂŒber den Bau Ă€usserten, so blieb er in manchen Publikationen, etwa dem damaligen Standardnachschlagewerk Penguin Dictionary of Architecture von Pevsner, Fleming und Honour, bis weit in die 1960er Jahre völlig unerwĂ€hnt. Das ist umso erstaunlicher, weil gerade in jener Zeit das Interesse an den Arbeiten von GaudĂ­ und an bildhauerisch-monolithischen Bauwerken – mit ausgelöst durch die Fertigstellung der Berliner Philharmonie 1963 – wiedererwacht war.cite-ref-173[173] Als Grund fĂŒr die ignorierende Haltung gegenĂŒber Steiners Architektur nennt der Kunstwissenschaftler Reinhold FĂ€th, dass dieser in vieler Hinsicht eher als okkult denn als tatsĂ€chlicher KĂŒnstler wahrgenommen wurde.cite-ref-174[174] Dazu kommt, dass zur Urteilsbildung ein Einlesen in Steiners vierhundertbĂ€ndige Gesamtausgabe nötig wĂ€re und weitere Quellenmaterialien von anthroposophischen Autoren teilweise den wissenschaftlichen Anforderungen nicht genĂŒgen.cite-ref-175[175] Erst 1971 fand sich in der deutschen Ausgabe Lexikon der Weltarchitektur ein knapper Eintrag.cite-ref-176[176] Selbst in anthroposophischen Kreisen bleibt eine Klassifizierung des Goetheanums umstritten. Die Architektin Ilse Meissner-Reese schrieb 1965 in einem Beitrag zur Zeitschrift Progressive Architecture, dass die Einstufung in «Expressionismus» oder gar in den «deutschen Expressionismus» eine EinzwĂ€ngung darstelle, da der Bau im eigentlichen Sinn völlig «unklassifizierbar» sei.cite-ref-177[177]

Die Schweizer Kunst-Journalistin Susann Sitzler beschrieb 2004 ihre EindrĂŒcke vom Goetheanum so:cite-ref-178[178]

«[
] Dabei macht es das GebĂ€ude unvorbereiteten Besuchern nicht leicht. Die Ă€ußere WĂŒrde verwandelt sich jenseits der Pforte in herrische AutoritĂ€t. Klotzige BetontrĂ€ger ragen schief in die RĂ€ume, asymmetrische Fenster lenken den Blick in den leeren Himmel, der Atem hallt merkwĂŒrdig in den dĂŒsteren TreppenhĂ€usern. Alles ist riesig und klobig. [
] Beim Warten auf den Bus kann man den Betonkoloss noch einmal aus sicherer Distanz auf sich wirken lassen. Es ist eine strenge und gleichberechtigte Verbindung, die Masse und Körperlosigkeit miteinander eingehen. Geschaffen wurde sie zu einer Zeit, in der Beton als Baustoff noch nicht gebrĂ€uchlich war. Plötzlich ist die visionĂ€re Kraft spĂŒrbar, die von diesem Ort einmal ausgegangen sein muss. In ĂŒberwĂ€ltigender Klarheit scheint das GebĂ€ude plötzlich einen Gedanken auszudrĂŒcken: Die grĂ¶ĂŸte Freiheit und das grĂ¶ĂŸte GlĂŒck des Menschen liegen darin, denken zu können. So etwas kann ein GebĂ€ude sagen? Einfach mittels gebogener Betonmauern? So etwas verstört den skeptischen Besucher.»

Architektonische EinflĂŒsse

Bauwerke aus Beton – und deren kĂŒnstlerische Umsetzung wie bei der Kirche St-Jean de Montmartre – wurden bereits Jahrzehnte vor dem Bau des zweiten Goetheanums errichtet. Bereits in den Jahren 1920/1921 zeigte Walter Gropius mit seinem Denkmal der MĂ€rzgefallenen, dass plastische Formen und nicht-rechtwinklige Konstruktionen mit Eisenbeton durchaus möglich waren. Diese wurden besonders seit dem Bau des zweiten Goetheanums fĂŒr die anthroposophische Architektur jedoch zum Dogma erhoben, auch wenn naturwĂŒchsige Ornamentik bereits im Johannesbau anzutreffen war.cite-ref-179[179] Organisch geformte Architektur existierte jedoch schon vor Errichtung des ersten Goetheanums. Architekten wie Henry van de Velde mit dem Werkbund-Theater oder Bruno Taut mit dem Glashaus stellten schon 1914 in der Kölner Werkbundausstellung neuartige Formen vor.

Unbestritten ist, dass der Baustil des Goetheanums Vorbild fĂŒr viele anthroposophische Bauwerke war, vor allem in Europa und Nordamerika. Zu den Bauwerken, deren Gestalt an die Formensprache angelehnt ist oder sie ausdrĂŒcklich zitiert, gehören typischerweise KrankenhĂ€user, Waldorfschulen und KindergĂ€rten – weltweit sind es rund 1000 Schulen und 2000 KindergĂ€rten.cite-ref-badische-zeitung-die-weltzentrale-38-2[38] So gehört beispielsweise das Ende der 1960er Jahre eröffnete Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke zu den grössten Bauwerken dieser Art. Auch der 1982 in Israel errichtete Kibbuz Harduf nahm sich die Kolonie auf dem Dornacher HĂŒgel zum Vorbild.cite-ref-180[180] Sehr hĂ€ufig lehnt sich die Architektur von Kirchen der Christengemeinschaft an die anthroposophische an. Hans Scharoun sprach bei seinem Entwurf der Johannes-Kirche in Bochum, die spĂ€ter von Gundolf BockemĂŒhl nach dessen Vorbild ausgefĂŒhrt wird, explizit von «goetheanischer» Formensprache.cite-ref-ohlenschl-ger-s-159-181-0[181] Aber auch dem nicht-anthroposophischen ungarischen Architekten Imre Makovecz stand Steiners Architektur Pate fĂŒr seinen ersten Entwurf fĂŒr das Kasino in SzigetvĂĄr 1985, welches die Doppelkuppel des ersten Goetheanums aufgreift.cite-ref-ohlenschl-ger-s-164-182-0[182]

Auswirkungen von Steiners Architekturimpulsen ausserhalb des anthroposophischen Kreises werden unter anderem bei Frank Lloyd Wright, Frank Gehry, Le Corbusier, Eero Saarinen und Santiago Calatrava gesehen.cite-ref-183[183] Inwieweit diese tatsĂ€chlich von Steiner beeinflusst wurden, bleibt jedoch strittig. Als der Ingenieur Ebbell-Staehelin 1927 Le Corbusier durch den noch nicht fertiggestellten Bau gefĂŒhrt hat, soll dieser gestaunt und sich tief beeindruckt gezeigt haben. Ebbell-Staehelin berichtete ĂŒber die Zusammenkunft spĂ€ter: «Wenn so jemand etwas derartiges sieht, dann vergisst er es nicht so schnell. Ich glaube, er hat den Eindruck vom Goetheanum sein ganzes Leben hindurch getragen, und dann ist es spĂ€ter bei ihm wieder herausgekommen – in seiner Kapelle etwa.» Gemeint ist damit Corbusiers Betonkapelle Notre-Dame-du-Haut de Ronchamp in Frankreich.cite-ref-184[184] Der von 1917 bis 1921 errichtete, expressionistische Einsteinturm von Erich Mendelsohn mit seinen abgerundeten Ecken und runden Wandungen – nach dem ersten Goetheanum entstanden – steht diesem in Form und Art sehr nahe.cite-ref-185[185] In vergleichbarer Anlehnung kann das TWA-Terminal auf dem John F. Kennedy International Airport von Saarinen gesehen werden. Imai Kenji, der Steiners Arbeit genau studierte und in Japan publik machte, schuf mit seiner Okuma Erinnerungshalle und Tagungszentrum, Saga, West Japan, ein GebĂ€ude, das unmittelbar die Formensprache des Goetheanums aufgreift.cite-ref-186[186]

Auch die Bezeichnung Rudolf Steiners als Architekt ist umstritten, da er fĂŒr die Umsetzung seiner Ideen auf Hilfe von hauptberuflich tĂ€tigen Architekten angewiesen war. Die PlĂ€ne Steiners, die in der ersten JahreshĂ€lfte 1924 vorgelegt wurden, konnten noch nicht als ausgereift bezeichnet werden.cite-ref-187[187] An der Verwirklichung der PlĂ€ne haben unter anderem der Architekturprofessor Ernst Fiechter,cite-ref-188[188] Hermann Ranzenberger (1891–1967)cite-ref-189[189] und Ernst Aisenpreis (1884–1949)cite-ref-190[190] mitgearbeitet; letzterer wirkte an der Baustelle als leitender Architekt mit.cite-ref-sprechender-beton-s-69-61-1[61] Die Idee der organischen Architektur, mit der sich das Bauwerk einerseits die Natur zum Vorbild nimmt und andererseits in sie eingebunden wird, teilt Steiner mit Hugo HĂ€ring und Hans Scharoun – beide versuchten mit ihrer Architektur, ein bestimmtes Weltbild zu vermitteln.cite-ref-ohlenschl-ger-s-159-181-1[181] Dennoch unterscheide sich Steiner von anderen Architekten durch seine dominant vorherrschende Weltanschauung, die als alleinige Quelle seines architektonischen Formwillens verstanden werde.cite-ref-191[191] Bemerkenswert bleibe jedoch seine schöpferische FĂ€higkeit, die allein schon in der Entwicklung vom ersten zum zweiten Goetheanum eine ausgeprĂ€gte Wandlung vollzogen habe und damit zwei sich deutlich unterscheidende Bauwerke geschaffen habe.cite-ref-192[192]

Die Kunsthistorikerin Sonja OhlenschlĂ€ger resĂŒmiert in ihrer Dissertation ĂŒber das architektonische Werk Steiners, dass das Goetheanum und seine umgebenden Bauten einzigartig in ihrer Gestaltung waren und bleiben und mit anderen Bauwerken nicht zu vergleichen sind. Es werde nicht gelingen, eine direkte Verwandtschaft aufzuzeigen, allerdings lassen sich sehr wohl bestimmte «Patenschaften» zu bestimmten Bauwerken feststellen, die vor oder nach dem Goetheanum entstanden sind.cite-ref-ohlenschl-ger-s-164-182-1[182]

Das Goetheanum in Kunst und Kultur

Seit 1921 erscheint die nach dem Bauwerk benannte Wochenzeitschrift Das Goetheanum. Die Zeitung, die in erster Linie soziale und kulturelle Fragen erörtert, ist gleichzeitig die einzige anthroposophische Zeitung mit wöchentlichem Erscheinungszyklus.cite-ref-193[193]

Der US-amerikanische Dichter Percy MacKaye war vom Bau des Goetheanums so beeindruckt, dass er 1938 ein Sonett darĂŒber schrieb, in dem er die Form mit einem «Phönix-Feuer» verglich.cite-ref-194[194]

In Architekturausstellungen wird das Goetheanum öfter erwÀhnt und mit Modellen und anderen Exponaten ausgestellt. Prominent zum Beispiel im Liljevachs Konsthall in Stockholm 1980 in der Ausstellung Der unvollendete Funktionalismus.cite-ref-195[195]

Der renommierte Ausstellungsmacher Harald Szeemann gab dem Goetheanum einen zentralen Platz in seiner Ausstellung Der Hang zum Gesamtkunstwerk, die 1983 im Kunsthaus ZĂŒrich, in der StĂ€dtischen Kunsthalle in DĂŒsseldorf und im Museum des 20. Jahrhunderts (MUMOK) in Wien vorgestellt wurde. Entsprechend heisst es in seinem Beitrag im Ausstellungskatalog:cite-ref-196[196]

«Im Hinblick auf Rudolf Steiners Lebenswerk mĂŒsste die Ausstellung heißen: der Hang zum und ein Gesamtkunstwerk. Die Überzeugung von Karma und Wiedergeburt erfĂŒllt alle Impulse der geisteswissenschaftlichen Weltschau, der wir als sichtbares Mal das Goetheanum in Dornach, den organischen, lebendigen Bau verdanken.»

Das deutsche Reisemagazin Geo Spezial widmete dem Goetheanum in seinem ersten Themenheft Schweiz einen ausfĂŒhrlichen Artikel.cite-ref-197[197]

Im Jahr 2000 wurde im Taunus unweit von Frankfurt am Main ein Goetheanum-Arboretum gepflanzt, das den Grundriss des ersten Goetheanums im Massstab 1:1 abbildet. Anstelle der zwei mal sieben SÀulen im grossen Saal, die paarweise aus jeweils verschiedenen Hölzern geschnitzt waren, wurden die entsprechenden Baumarten gepflanzt, zusÀtzlich StrÀucher und Hecken. Die wachsende Langzeitplastik zeigt bereits heute (2012) sehr deutlich den Grundriss auf, wie Luftaufnahmen zeigen.cite-ref-198[198]cite-ref-199[199]cite-ref-200[200]

2010 wurde im Kunstmuseum Wolfsburg eine Ausstellung mit dem Titel Die Alchemie des Alltags eröffnet, in der der architektonische Impuls Steiners, speziell der Bau der beiden Goetheanum-Bauwerke, ausfĂŒhrlich thematisiert wurde. Die Ausstellung wurde anschliessend im Kunstmuseum Stuttgart, im Museum fĂŒr angewandte Kunst in Wien und im Vitra Design Museum in Weil am Rhein gezeigt.cite-ref-201[201] Der Kurator der Ausstellung Mateo Kries Ă€usserte sich zum Goetheanum in einem Interview anlĂ€sslich der Ausstellung:cite-ref-202[202]

«[
] In der zeitgenössischen Architektur ist Steiner ein Fixpunkt: Wer sich mit skulpturaler Architektur befasst, kommt am Goetheanum nicht vorbei. Die Abkapselung der Anthroposophie – ihre Versteinerung – hat erst nach Steiners Tod begonnen. Wir wollen ihn jetzt wieder â€čentsteinernâ€ș und allen zugĂ€nglich machen.»

Im Film wurde das Goetheanum als Bauwerk von Nicht-Anthroposophen selten rezipiert. Ausnahmen bilden Dokumentarfilme ĂŒber die Anthroposophie und Rudolf Steiner oder Fernsehnachrichten mit anthroposophischem Bezug, in denen das Bauwerk öfter als Einlage oder Hintergrund gezeigt wird.

Steiners kĂŒnstlerisches Schaffen insgesamt wurde indes von KĂŒnstlern wie Wassily Kandinsky, Piet Mondrian und Joseph Beuys aufgegriffen; letzterer berief sich wiederholt auf Steiners Schriften und reiste mehrfach zum Zentrum der Anthroposophen. Steiners und Beuys’ Arbeiten wurden öfter in gemeinsamen Ausstellungen gezeigt, so 1999 in der Ausstellung RichtkrĂ€fte fĂŒr das 21. Jahrhundert im Kunsthaus ZĂŒrichcite-ref-203[203] oder auch 2007 in Australien.cite-ref-204[204] Das Kunstmuseum Wolfsburg prĂ€sentierte 2010 unter dem Titel Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart eine Ausstellung mit Werken bedeutender KĂŒnstler wie Anish Kapoor, Olafur Eliasson, Mario Merz, Tony Cragg, Helmut Federle, Giuseppe Penone, Katharina Grosse, Carsten Nicolai und anderen, die sich von Steiner direkt oder indirekt inspirieren liessen. Anschliessend wurde sie in Stuttgart und Prag gezeigt.cite-ref-205[205] Der Bezug zum Bauwerk Goetheanum ist dort indirekt, allenfalls werden gestalterische Prinzipien des Goetheanumbaus wie Metamorphose oder UmstĂŒlpung aufgegriffen.

2012 wurde unter dem Titel: Dem Bau der Gemeinschaft eine Fotoausstellung im Schweizerischen Architekturmuseum in Basel gezeigt, wo unbekannt gebliebene Fotos des ersten Goetheanums von Gertrud von Heydebrand-Osthoff ausgestellt wurden.cite-ref-206[206]

Literatur

Zur Architektur des Goetheanums

‱ Rudolf Steiner: Wege zu einem neuen Baustil. FĂŒnf VortrĂ€ge, gehalten wĂ€hrend der Arbeit am Goetheanum 1914. Dornach 1926; als Taschenbuch ebd. 1992, ISBN 3-7274-7050-X.
‱ Rudolf Steiner: Architektur, Plastik und Malerei des Ersten Goetheanum. Drei VortrĂ€ge 1920. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1972, ISBN 3-7274-5113-0.
‱ Carl Kemper (Hrsg.): Der Bau. Studien zur Architektur und Plastik des ersten Goetheanum. Freies Geistesleben, Stuttgart 1966; 3. A. ebd. 1984, ISBN 3-7725-0534-1.
‱ Rex Raab, Arne Klingborg, Ake Fant: Sprechender Beton. Wie Rudolf Steiner den Stahlbeton verwendete. Verlag am Goetheanum, Dornach 1972, ISBN 3-7235-0095-1.
‱ Wolfgang Pehnt: Rudolf Steiner – Goetheanum, Dornach. Ernst & Sohn, Berlin 1991, ISBN 3-433-02701-3.
‱ Hans Hasler: Der grosse Saal im Goetheanum 1996–1998. Verlag am Goetheanum, Dornach 1998, ISBN 3-7235-1014-0.
‱ Yuji Agematsu: Steiner Architektur. ç­‘æ‘©æ›žæˆż (Chikuma Shobƍ), Tokyo 1998, ISBN 4-480-96005-8. (japanisch, deutsch)
‱ Hans Hasler: Das Goetheanum. Eine FĂŒhrung durch den Bau, seine Umgebung und seine Geschichte. Verlag am Goetheanum, Dornach 2005, ISBN 3-7235-1258-5.
‱ Jolanthe Kugler (Hrsg.): ArchitekturfĂŒhrer GoetheanumhĂŒgel. Die Anthroposophenkolonie Dornach-Arlesheim. Niggli, Sulgen 2011, ISBN 978-3-7212-0800-9.
‱ Rex Raab: Offenbare Geheimnisse. Vom Ursprung der Goetheanumbauten. Verlag am Goetheanum, Dornach 2011, ISBN 978-3-7235-1397-2.
‱ IvĂĄn GĂłmez AvilĂ©s: Der Baugedanke des Goetheanum. Geometrie und Esoterik. Quellen zum Studium der Architektur Rudolf Steiners und des Einflusses der Theosophie, der Anthroposophie und anderer esoterischer Bewegungen auf die Moderne Kunst (= Studien zur internationalen Architektur- und Kunstgeschichte. Band 143). Imhof, Petersberg 2016.

Werkbetrachtungen im Zusammenhang mit dem Goetheanum

‱ Michael Birnthaler: Weltenwandler. Rudolf Steiner. Band 1: Das Goetheanum. Edition EOS, Freiburg 2018, ISBN 978-3-945132-04-3
‱ Max Kully: Die Wahrheit ĂŒber die Theo-Anthroposophie als eine Kulturverfallserscheinung, Basel 1926.
‱ Georg Hartmann: Goetheanum-Glasfenster. Verlag am Goetheanum, Dornach 1971; 4. erw. Aufl. ebd. 2002, ISBN 3-7235-0049-8.
‱ Hagen Biesantz, Arne Klingborg: Das Goetheanum. Der Bauimpuls Rudolf Steiners. Verlag am Goetheanum, Dornach 1978, ISBN 3-7235-0211-3.
‱ Walther Roggenkamp, Rudolf Steiner: Das Goetheanum als Gesamtkunstwerk. Verlag am Goetheanum, Dornach 1986, ISBN 3-7235-0353-5.
‱ Sonja OhlenschlĂ€ger: Rudolf Steiner (1861–1925). Das architektonische Werk. Imhof, Petersberg 1999, ISBN 3-932526-37-6 (Zugleich Dissertation an der UniversitĂ€t Bonn 1991).
‱ Werner Blaser: Natur im Gebauten. Rudolf Steiner in Dornach. BirkhĂ€user, Basel 2002, ISBN 3-7643-6541-2.
‱ Reinhold Johann FĂ€th: Rudolf Steiner Design – Spiritueller Funktionalismus Kunst. Dissertation UniversitĂ€t Konstanz 2004. (online) (Memento vom 26. Juli 2011 im Internet Archive) (PDF; 4,9 MB)
‱ Walter Kugler, Simon Baur (Hrsg.): Rudolf Steiner in Kunst und Architektur. DuMont, Köln 2007, ISBN 978-3-8321-9012-5.
‱ Judith von Halle, John Wilkes: Die Holzplastik des Goetheanum. Der MenschheitsreprĂ€sentant zwischen Luzifer und Ahriman. Verlag am Goetheanum, Dornach 2008, ISBN 978-3-7235-1330-9.
‱ Benno Otter, Jörg Mensens, Charlotte Fischer: Gartenpark am Goetheanum. Pforte, Dornach 2009, ISBN 978-3-85636-215-7.

Film

‱ Rudolf Steiner und das Goetheanum in Dornach. ARD-Fernsehreihe Bilderbuch Deutschland, Aladin Film, MĂŒnchen 2004, 80 Minuten.

Siehe auch
Weblinks

Commons

: Goetheanum

– Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

‱ www.goetheanum.ch/ – Offizielle Webseite des Goetheanums
‱ www.goetheanum-buehne.ch/ – Offizielle Webseite der Goetheanum-BĂŒhne
‱ Umfangreiche Literaturliste zum Goetheanum
‱ Das Goetheanum, Sonderheft Goetheanum Einszueins
‱ Artikel im AnthroWiki zum Goetheanum, abgerufen am 5. Juli 2011.
‱ Beschreibungen und historisches Bildmaterial zum ersten und zweiten Goetheanum (englisch), abgerufen am 21. Dezember 2011.
‱ Rudolf Steiner: Was wollte das Goetheanum und was soll die Anthroposophie. (PDF; 120 kB) Basel 9. April 1923, abgerufen am 5. Juli 2011.
‱ Ákos Moravánszky: The Rudolf Steiner Goetheanum. An architecture report from Dornach, 15. Februar 2011 (englisch)

Radiosendungen und Videos

‱ wissen.hr-online.de: Aspekte der Anthroposophie: 2. Ästhetik, Radiosendung vom 18. Oktober 2011
‱ Schweizer Radio DRS: 150 Jahre Rudolf Steiner – Dornach und das Goetheanum. Beitrag von Barbara Meyer vom 22. Februar 2011
‱ Video mit Luftaufnahmen vom Goetheanum (Octocopter), abgerufen am 12. Dezember 2011.
‱ Video vom Goetheanum und den benachbarten GebĂ€uden aus 1991, abgerufen am 5. Juli 2011.

Einzelnachweise

cite-note-beton-atlas-s-24-11. ↑ Kind-Barkauskas, Kauhsen, Polonyi, Brandt: Beton Atlas: Entwerfen mit Stahlbeton im Hochbau. BirkhĂ€user Architektur, 2001, ISBN 3-7643-6685-0, S. 24.
cite-note-22. ↑ Daten zum Goetheanum, abgerufen am 3. Juni 2011.
cite-note-33. ↑ Biesantz, Klingborg: Das Goetheanum-Der Bauimpuls Rudolf Steiners. S. 9.
cite-note-44. ↑ Rudolf Steiner: Bilder okkulter Siegel und SĂ€ulen. Der MĂŒnchener Kongress 1907 und seine Auswirkungen. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1977 (GA284/285), ISBN 3-7274-2840-6
cite-note-55. ↑ Roder (Hrsg.) Anthroposophie wird Kunst, Der MĂŒnchener Kongress 1907 und die Gegenwart. Verlag der Kooperative DĂŒrnau, DĂŒrnau, ISBN 978-3-00-025311-9
cite-note-66. ↑ anthromedia.net: Rudolf Steiner als Architekt, abgerufen am 5. August 2011
cite-note-77. ↑ Biesantz, Klingborg: Das Goetheanum. Der Bauimpuls Rudolf Steiners. S. 10.
cite-note-88. ↑ Hasler: Das Goetheanum. Eine FĂŒhrung durch den Bau, seine Umgebung und seine Geschichte. S. 77.
cite-note-99. ↑ Goethe: Das MĂ€rchen. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1985, ISBN 3-7725-0317-9, siehe auch: Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten
cite-note-1010. ↑ Rudolf Steiner: Goethes geheime Offenbarung in seinem «MĂ€rchen von der grĂŒnen Schlange und der schönen Lilie» Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-5204-8, Speziell S. 234
cite-note-1111. ↑ Maximilian GĂŒmbel-Seiling: MĂŒnchener UrauffĂŒhrungen der Mysteriendramen. In: Erinnerungen an Rudolf Steiner. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1979, ISBN 3-7725-0712-3, S. 81–93
cite-note-1212. ↑ Biografie zu Ernst August Karl Stockmeyer
cite-note-1313. ↑ OhlenschlĂ€ger: Rudolf Steiner (1861–1925). Das architektonische Werk. S. 64.
cite-note-1414. ↑ OhlenschlĂ€ger: Rudolf Steiner (1861–1925). Das architektonische Werk. S. 65.
cite-note-1515. ↑ OhlenschlĂ€ger: Rudolf Steiner (1861–1925). Das architektonische Werk. S. 66.
cite-note-1616. ↑ OhlenschlĂ€ger: Rudolf Steiner (1861–1925). Das architektonische Werk. S. 69.
cite-note-1717. ↑ Biografischer Abriss zu Carl Schmid-Curtius
cite-note-1818. ↑ Der Johannesbau in MĂŒnchen (Memento vom 21. Mai 2014 im Internet Archive), abgerufen am 3. Juni 2011.
cite-note-1919. ↑ Biografie zu Emil Grosheintz-Laval. Abgerufen am 3. Juni 2011.
cite-note-2020. ↑ N. Grosheintz-Laval, in Erinnerungen an Rudolf Steiner, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1979, ISBN 3-7725-0712-3, S. 143–147
cite-note-2121. ↑ Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland: theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884–1945. Vandenhoeck & Ruprecht 2007, ISBN 978-3-525-55452-4, S. 1163
cite-note-2222. ↑ Stadtarchiv MĂŒnchen: Aktenzeichen 5141, Abdruck des Königlichen Staatsministeriums des Inneren an die Königliche Regierung von Oberbayern, Kammer des Inneren vom 12. Januar 1913 (vermerktes Aktenzeichen 4106 b6)
cite-note-2323. ↑ OhlenschlĂ€ger: Rudolf Steiner (1861–1925). Das architektonische Werk. S. 88.
cite-note-2424. ↑ Hasler: Das Goetheanum. Eine FĂŒhrung durch den Bau, seine Umgebung und seine Geschichte. S. 78.
cite-note-2525. ↑ Max Kully: Die Wahrheit ĂŒber die Theo-Anthroposophie als eine Kulturverfallserscheinung. Basel 1926, S. 48.
cite-note-2626. ↑ Max Kully: Die Wahrheit ĂŒber die Theo-Anthroposophie als eine Kulturverfallserscheinung. Basel 1926, S. 49.
cite-note-2727. ↑ OhlenschlĂ€ger: Rudolf Steiner (1861–1925). Das architektonische Werk. S. 92.
cite-note-2828. ↑ Biesantz, Klingborg: Das Goetheanum. S. 15.
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cite-note-204204. ↑ Rudolf-Steiner-Archiv: Joseph Beuys & Rudolf Steiner: Imagination, Inspiration, Intuition 26 Okt 2007 bis 17. Februar 2008 (Memento vom 30. Januar 2013 im Internet Archive)
cite-note-205205. ↑ Ausstellungskatalog, Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart. ISBN 978-3-8321-9277-8, NDR Fernsehfeature zur Ausstellung
cite-note-206206. ↑ Rezension zur Ausstellung aus der NZZ, abgerufen am 11. Mai 2012

47.4860487.620357coordinatesKoordinaten: 47° 29â€Č 9,8″ N, 7° 37â€Č 13,3″ O; CH1903: 613697 / 259492